Wirtschaft & Politik

15.06.2010

DIW Berlin: Einkommensschere klafft immer weiter auseinander


Arm und Reich driften in Deutschland immer weiter auseinander. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin in einer Studie zur Einkommensverteilung in Deutschland. Die Studie zeige deutlich, dass nicht nur die Anzahl Ärmerer und Reicherer immer weiter wächst, sondern seit zehn Jahren ärmere Haushalte auch immer ärmer werden.

Die DIW-Experten Martin Gornig und Jan Goebel sehen darin eine besorgniserregende Entwicklung. „Dieser Trend verunsichert die Mittelschicht“, erklärten sie am Dienstag bei der Vorstellung der Studie. Eine starke Mittelschicht sei aber wichtig für den Erhalt der gesellschaftlichen Stabilität.

Mittelschicht wird kleiner

Nur 60 Prozent der Menschen in Deutschland gehören nach der Studie, die auf dem Sozio-Ökonomischen Panel (SOEP) beruht, noch zur Mittelschicht, mit Nettoeinkommen zwischen 860 und 1844 Euro. 2000 waren es noch mehr als 64 Prozent. Stark gestiegen sei vor allem die Zahl der Menschen mit niedrigem Einkommen, von 18 Prozent 2000 auf fast 22 Prozent 2009. Zudem steige die Zahl der Menschen mit Niedrigeinkommen nicht nur immer mehr an – diese Gruppe verdient auch in absoluten Zahlen immer weniger. Habe ein Singlehaushalt der unteren Einkommensgruppe 2000 im Schnitt noch 680 Euro verdient, seien es 2008 nur noch 645 Euro gewesen. Gleichzeitig sei auch der mittlere Verdienst höherer Einkommensgruppen gestiegen, von 2400 auf 2700 Euro.

Arbeitsmarkt entscheidend

Hauptursache für die zunehmende Entfernung der Einkommensgruppen voneinander sei vor allem die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: „Wenn die Zahl der Beschäftigten zurückgeht, steigt die Zahl der Menschen in unteren Einkommensgruppen“, konstatierten die Autoren der Studie. Deshalb habe die Wirtschaftskrise 2009 dank des „deutschen Jobwunders“ auch keine massiven Auswirkungen auf die Einkommensverteilung gehabt. Bei steigenden Beschäftigtenzahlen würde diese Entwicklung aber nicht umgekehrt, sondern nur gestoppt. „Wir sehen hier einen langfristigen, relativ gleichmäßigen Trend“, sage Goebel. „Und dieser Trend ist besorgniserregend“, fügte er hinzu.

Polarisierung bedroht gesellschaftliche Stabilität

Besorgniserregend sei der Trend zur Einkommenspolarisierung besonders im Hinblick auf die schrumpfende Mittelschicht. „Mittlere Schichten begründen ihren Status nicht auf Vermögen, sondern auf Einkommen“, sagt Martin Gornig. „Eine Entwicklung wie die hier beobachtete kann unter Umständen Verunsicherungen in diesen Schichten auslösen.“

Problematisch sei das vor allem dann, wenn andere Bevölkerungsgruppen für den drohenden Statusverlust verantwortlich gemacht würden. Auch das geplante Sparpaket der Bundesregierung hält Goebel vor dem Hintergrund der beobachteten Entwicklung für zu einseitig: „Die bisher gemachten konkreten Vorschläge betreffen nur die unteren Einkommen. Der Anteil der Reichen aber steigt stetig und die Reicheren verdienen auch immer besser. Da stellt sich schon die Frage, ob diese Gruppe nicht auch einen Sparbeitrag leisten sollte.“

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