03.05.2010

Erfurts IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser (Foto: IHK)
Thüringer Unternehmen fürchten wegen der hohen Verschuldung einiger EU-Länder wie Griechenland oder Spanien um ihre Exportmärkte. Vielerorts beklagten sich deutsche Unternehmen über die mangelhafte Zahlungsbereitschaft der dort ansässigen Kunden. Auch zahlreiche Thüringer Betriebe sehen ihr Exportgeschäft zusehends gefährdet.
„Die Schuldenkrise bereitet auch den regionalen Firmen immer mehr Kopfzerbrechen“, sagte Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt am Montag. Die hoch verschuldeten Staaten müssten einen strikten Sparkurs fahren und ihre Investitionen einschränken.
12 Prozent des Exportvolumens
Das hätte nicht nur Auswirkungen auf öffentliche Aufträge, sondern auch auf den privaten Konsum. Gefährdet sei ein beachtlicher Teil des Thüringer Exportvolumens. Es verwundere also nicht, dass bei etlichen Firmen die Alarmglocken schrillen. „Allein 2009 betrugen die Ausfuhren in die verschuldeten Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien 1,1 Milliarden Euro. Das sind gut 12 Prozent der gesamten Thüringer Exporte“, so der IHK Chef.
Insolvenzrisiko steigt
Derzeit würden 522 Unternehmen aus dem Freistaat unterschiedlichste Geschäftsbeziehungen mit den angeschlagenen EU-Partnern unterhalten. Sie müssten damit rechnen, dass es zu Zahlungsverzögerungen kommt und das Insolvenzrisiko des Handelspartners steigt. Exportkreditversicherungen stünden somit hoch im Kurs, um die Lieferungen und Leistungen abzusichern.
Sorgenkinder Italien und Spanien
Besonders sorgenvoll blickten die Thüringer Betriebe nach Angaben der IHK in Richtung Rom und Madrid. So rangiere Italien immerhin auf Rang drei der wichtigsten Exportländer und Spanien auf dem elften Platz. Für den Freistaat stehe mit den fünf Schuldnerländern ein äußerst lukrativer Markt mit rund 133 Millionen Verbrauchern auf dem Spiel.
Von funktionierendem EU-Markt abhängig
„Die Lage ist ernst. Sollte die Eurozone auseinander brechen, hätte auch die EU keine richtige Perspektive. Ein Rückfall in die Zeit konkurrierender Nationalstaaten wäre nicht nur für die Wirtschaft ein Horrorszenario“, mahnte Grusser. Immerhin gingen fast 70 Prozent aller Thüringer Exporte in die 27 EU-Länder. Die Thüringer Industrie sei also von einem funktionierenden europäischen Markt stark abhängig.
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