Vermischtes

10.06.2010

Was Schnecken den Appetit verdirbt

Jenaer Wissenschaftler haben einen Abwehrmechanismus von Moosen aufgedeckt. Diese Erkenntnisse ließen sich nutzen, um einen natürlichen Fraßschutz gegen Schnecken und andere Schädlinge zu entwickeln, glaubt Prof. Georg Pohnert vom Lehrstuhl für Instrumentelle Analytik  der Universität Jena.

Damit wäre eine ökologische Alternative zum sogenannten „Schneckenkorn“ gefunden, das oftmals eine Gefahr für Vögel und andere Fraßfeinde der Schnecken, aber auch für die eigenen Haustiere darstellt.

Auf die Spur gekommen waren Pohnert und seine Kollegen dem Mechanismus durch die Beobachtung, dass Schnecken Moose meiden. Schon Ende des 19. Jahrhunderts war entdeckt worden, dass Moose in der Lage sind, chemische Verbindungen aufzubauen, die sie vor Fressfeinden schützen. “Pohnerts Team ist es nun aber erstmals gelungen, diese Verbindungen zu identifizieren und ihre fraßhemmende Wirkung eindeutig zu belegen.

Was den Schnecken den Appetit auf Moose verdirbt, sind so genannte Oxylipine. „Dabei handelt es sich um Verbindungen, die aus der oxidativen Umsetzung von ungesättigten Fettsäuren hervorgehen, wenn das Moos verwundet wird“, erläutert Prof. Pohnert. Die Jenaer Chemiker haben das Moos Dicranum scoparium untersucht, das auch als Gewöhnliches Gabelzahnmoos oder Besenmoos bezeichnet wird und in beinahe allen europäischen Wäldern vorkommt. Dabei fanden sie zahlreiche bis dato unbekannte Verbindungen, darunter neue, sehr ungewöhnliche Oxylipine.

„Motiviert durch die Beobachtung, dass in anderen Organismen Oxylipine oft direkt als Verteidigungsmetaboliten fungieren oder an der Regulation von Verteidigungsreaktionen beteiligt sind, haben wir die Wirkung dieser Verbindungen in der Moospflanze genauer untersucht“, sagte Pohnert.  So wurde Spanischen Wegschnecken zwei Salatblätter zum Fraß anboten. Das eine war mit Oxylipinen, die aus dem Moos extrahiert worden waren, behandelt – das andere Salatblatt war nur mit dem Lösungsmittel Methanol besprüht. Die Wahl der Schnecken fiel fast ausschließlich auf die Blätter, die keine Oxylipine enthielten, selbst wenn die Substanzen in Vergleich zu den Konzentrationen im Moos 1000fach verdünnt wurden.

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