Arbeitszeitkonten haben sich bewährt
Jeder dritte Betrieb in Deutschland hat während der Wirtschaftskrise den Abbau von Guthaben oder Aufbau von Minusstunden auf Arbeitszeitkonten zur Beschäftigungssicherung genutzt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Krisenbedingt seien in den betroffenen Unternehmen durchschnittlich rund 45 Stunden pro Arbeitnehmer abgebaut worden.
Die Zeitguthaben der Mitarbeiter seien bis zum dritten Quartal 2009 im Durchschnitt von rund 72 auf 27 Stunden zurückgegangen, teilte das Institut am Dienstag mit. Zu diesem Zeitpunkt waren in jedem vierten von der Krise betroffenen Betrieb die Plusstunden aufgebraucht. Minusstunden wurden in fünf Prozent der betroffenen Betriebe aufgebaut.
„Der Abbau der Guthaben auf den Arbeitszeitkonten und damit der Rückgang der gesamten Arbeitszeit haben zur Stabilität der Beschäftigung beigetragen“, schreibt Ines Zapf, die Autorin der IAB-Studie. Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit hat sich im Jahr 2009 um 3,1 Prozent verringert. Ein Beschäftigungseinbruch trat trotz der schweren Wirtschaftskrise nicht ein.
Effektives Instrument
„Arbeitszeitkonten sind ein effektives Instrument, das die interne Flexibilität in Unternehmen erhöht. Betriebe können so ihre Reaktionszeit im Krisenfall verkürzen und bei anziehender Konjunktur den Auslastungsgrad und die Produktivität schnell steigern“, erklärte IAB-Forscherin Zapf.
Im Jahr 2009 verfügten 51 Prozent der Arbeitnehmer über ein Arbeitszeitkonto. Im produzierenden Gewerbe sind sie weiter verbreitet als im Dienstleistungsbereich, in größeren Betrieben mehr als in Kleinbetrieben. Grundlage der Studie sind unter anderem Daten aus einer Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI bei Betriebsräten im dritten Quartal 2009.
Arbeitszeit gesunken
Auch die Kurzarbeit und der Abbau der Guthaben auf den Arbeitszeitkonten haben nach der Studie im Krisenjahr 2009 zum Rückgang der durchschnittlichen Jahresarbeitszeit beigetragen. Nach den Ergebnissen der IAB-Arbeitszeitrechnung verringerte sich – bezogen auf alle Arbeitnehmer – die Arbeitszeit 2009 im Vergleich zum Vorjahr durch Kurzarbeit um 13,4 Stunden und durch den Abbau der Arbeitszeitguthaben um 7,0 Stunden.
Darüber hinaus hat laut Studie auch die bezahlte Mehrarbeit kräftig abgenommen. So wurden im vergangenen Jahr pro Arbeitnehmer 9,8 bezahlte Überstunden weniger geleistet als noch 2008. Insgesamt sank die Jahresarbeitszeit der Arbeitnehmer im Jahr 2009 um 41,3 Stunden (-3,1 Prozent). Rein rechnerisch wurden so im letzten Jahr rund 1,2 Millionen Beschäftigungsverhältnisse gesichert.
16.11.2010
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