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Gute Löhne gegen Fachkräftemangel


Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (Foto: TMWAT)

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (Foto: TMWAT)

Thüringen braucht nach einer Studie des Instituts für Sozialökonomische Strukturanalysen Berlin bis 2020 mindestens 200.000 Fachkräfte. Dabei haben die Unternehmen zunehmend Probleme, ihren Bedarf zu decken, geht aus der am Mittwoch in Weimar vorgestellten Untersuchung hervor. Jedes zweite Unternehmen plane die Einstellung neuer Fachkräfte. Zwei Drittel von ihnen jedoch befürchten, dass sie keine geeigneten Kräfte finden werden.

Zwei von drei Unternehmen führen das auf die mangelnde Kompetenz der Bewerber zurück. 40 Prozent begründen dies mit insgesamt zu wenig Bewerbern, erläuterte Wirtschaftsminister Matthias Machnig am Mittwoch die Ergebnisse der von seinem Haus in Auftrag gegebenen Untersuchung, bei der rund 1000 Thüringer Unternehmen befragt wurden.

Jeder Fünfte muss ersetzt werden

Etwa jeder fünfte Fachmann im Freistaat muss nach der Studie bis 2020 ersetzt werden, sagte Machnig. Ein Grund sei das altersbedingte Ausscheiden eines großen Teils der Fachkräfte aus dem Arbeitsleben. Hinzu komme ein erwarteter Beschäftigungsaufbau von zwei bis drei Prozent. „Das ist aber eine eher konservative Schätzung“, sagte Machnig. Der Bedarf könne bei anhaltender Konjunktur durchaus höher sein. Zusätzlicher Bedarf ergebe sich zudem aus dem Vorhaben des  Freistaats, neue, innovative Branchen anzusiedeln.

Konkurrenzkampf nimmt zu

Machnig äußerte die Erwartung, dass der Konkurrenzkampf bei der Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte zunehmen wird. „Der Kampf um die Köpfe wird sich verschärfen“, sagte der Minister. Einer der entscheidenden Faktoren werde dabei ein attraktives Lohnniveau sein. „Niedrige Löhne beschleunigen die Abwanderung. Fachkräfte, die wir eigentlich hier brauchen, verlassen das Land“, sagte Machnig. 

Attraktives Standortprofil

Frank Schiemann vom Institut für Sozialökonomische erwartet einen zunehmend ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Es werde den Unternehmen zunehmend schwerer fallen, ihren Bedarf an Fachkräften zu decken. Sie müssten deshalb attraktive Bedingungen für Beschäftigte bieten und Strategien zur Bindung ihrer Mitarbeiter entwickeln. Dazu gehörten auch interne Weiterbildungsangebote.

Noch ausreichendes Angebot

Die Studie zeigt allerdings auch, dass es zumindest rechnerisch noch ein ausreichend großes Angebot an Arbeitnehmern gibt. Dazu zählen neben den Absolventen der beruflichen und akademischen Ausbildung vor allem rund 100.000 Arbeitslose. „Deshalb müssen wir alle Anstrengungen darauf konzentrieren, die vorhandenen Fachkräftepotentiale besser zu erschließen“, sagte Machnig. Dazu habe die Landesregierung mit dem Aktionsprogramm „Fachkräftesicherung und Qualifizierung“ und dem Landesarbeitsmarktprogramm bereits geeignete Instrumente entwickelt. Zudem müsse sich Thüringen künftig stärker auch um die Berufsrückkehrer sowie die per Saldo rund 75.000 Auspendler bemühen.

03.11.2010