IG Metall will Geld für Aufschwung
Die IG Metall verlangt die Beteiligung der Arbeitnehmer am Aufschwung. 80 Prozent der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie nähmen eine Entwicklung, die sie vor einem Jahr so niemals vorausgesehen hätten, sagte der für Thüringen zuständige Bezirksleiter der IG Metall, Armin Schild, in einem Gespräch mit Regioweb. Da sei es nur fair, die Arbeitnehmer daran zu beteiligen. Sie hätten schließlich mit Kurzarbeit und Lohnverzicht dazu beigetragen, die Krise zu überstehen.
Es sei zu begrüßen, wenn einige Unternehmen wie Bosch und Siemens jetzt die vereinbarten Tariferhöhungen vorziehen, sagte Schild. Allerdings müssten noch mehr Unternehmen dem Beispiel folgen. „Das ist ein Gebot des Anstandes“, erklärte der Gewerkschafter. „Die Flexibilität im Flächentarifvertrag darf keine Einbahnstraße sein“, fügte er hinzu.
Ältere Arbeitnehmer halten
Kritik äußerte der Gewerkschafter an der Praxis vieler Unternehmen, ältere Arbeitnehmer aus der Beschäftigung zu drängen. Schild verwies auf eine Umfrage der IG Metall unter Betriebsräten Thüringer Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. Danach seien 48 Prozent der fest angestellten Beschäftigten älter als 45 Jahre. In der Krise würden sie als erste entlassen und im Aufschwung oft durch jüngere Leiharbeiter ersetzt, monierte Schild.
Kurzsichtige Personalpolitik
Er warf den Unternehmern eine kurzsichtige Personalpolitik vor. Zwar hätten viele Unternehmen erkannt, dass sie ältere, erfahrene Mitarbeiter brauchen. Aber nur ganz wenige setzten das in ihrem praktizierten Handeln auch um. Die meisten deckten ihren Bedarf lieber über kurzfristige Leiharbeit. Mehr als die Hälfte des Beschäftigungszuwachses erfolge über Leiharbeit. „Mit Leiharbeitern ist Innovation aber nicht zu machen“, sagte Schild. Für Innovation brauche es Belegschaften, bei denen es einen Mix aus Jung und Alt gibt. „Das Gold liegt in den Köpfen“, erklärte der Gewerkschafter. Zudem verlangte er gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Wenn die Bundesregierung die gesetzlichen Regelungen für Zeitarbeit nicht entsprechend ändere, werde die IG Metall dieses Prinzip in den Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern durchsetzen.
Abwanderung schadet Thüringen
Schild warnte davor, dass wegen der niedrigeren Löhne in Thüringen das Problem der Abwanderung verschärft wird. Hoch qualifizierte Fachkräfte, die außerhalb von Thüringen gut bezahlte Arbeit finden, kehrten nur selten zurück. In diesem Zusammenhang kritisierte Schild auch den Vorschlag der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Studiengebühren einzuführen. Das halte junge Menschen von einem Studium in Thüringen ab, die potenzielle Arbeitskräfte wären.
13.11.2010
Hintergrund
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