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Autobahn mit Solaranlage


An solchen Böschungen ließen sich Phoevoltaik-Anlagen errichten. Das Bild zeigt einen inzwischen unter Verkehr stehenden Abschnitt der A 71 bei Erfurt (Foto: Uwe Frost)

An solchen Böschungen ließen sich Phoevoltaik-Anlagen errichten. Das Bild zeigt einen inzwischen unter Verkehr stehenden Abschnitt der A 71 bei Erfurt (Foto: Uwe Frost)

Es ist eine verlockende Vorstellung: Lärmschutzwände und Brachflächen entlang den Autobahnen mit Photovoltaikanlagen auszurüsten. Ob sich das wirklich lohnt, hat die Thüringer Energie und GreenTech-Agentur (ThEGA) an einem 45 Kilometer langen Abschnitt der A 4 zwischen der Landesgrenze zu Hessen bei Eisenach und der Anschlussstelle Gotha untersuchen lassen: Das Ergebnis spricht für sich: Würden alle in Frage kommenden Flächen an Thüringens Autobahnen genutzt, könnten jedes Jahr 1,5 Gigawattstunden Strom erzeugt werden – 13 Prozent des Nettostromverbrauch Thüringens.

Über 498 Kilometer Autobahn verfügt Thüringen derzeit. Wenn die A 71 zwischen Erfurt und Sangerhausen fertig ist, werden es 530 Kilometer sein. Förderfähig sind nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz Anlagen in einem Streifen von 110 Meter, gemessen vom äußeren Rand der Fahrbahn – oder eines Schienenweges – an. In dem jetzt untersuchten Abschnitt wurden 217 Flächen von insgesamt 502,6 Hektar klassifiziert, wobei Schutzgebiete von vornherein ausgeklammert wurden. 128,6 Hektar (26 Prozent) sind für Photovoltaikanlagen sehr gut geeignet, fasst ThEGA-Chef Dieter Sell die Ergebnisse der Studie zusammen. Weitere 175,8 Hektar eignen sich gut. Nur auf 31,5 Hektar oder 6 Prozent der Fläche sind wegen der Reliefverhältnisse nicht tauglich.

Doppelter Nutzen

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig sieht sich damit in seiner Auffassung bestätigt. Die noch vielleicht vier oder fünf Jahre mögliche Förderung zu nutzen und Investoren für den Bau von PV-Anlagen entlang der Autobahnen zu gewinnen. ER sieht doppelten Nutzen. Zum einen ließen sich ungenutzte Flächen nutzen und damit der Flächenverbauch zum Beispiel auf Ackerland verringern. Zum anderen ließe sich der Bau der Solaranlagen mit der Errichtung von Lärmschutzbauten kombinieren.

Geringer Solarstromanteil

Machnig macht noch auf einen anderen Umstand aufmerksam. Thüringen gehört bei der Nutzung der Solarkraft zu den Schlusslichtern in Deutschland, obwohl es ein wichtiger Standort der Solarindustrie ist. Der geringe Anteil der Sonnenenergie an der Stromerzeugung führe dazu, dass Thüringen jährlich rund 100 Millionen Euro an eeG-Umlage zahlen muss. Bayern dagegen erhalte im Jahr 1 Milliarde Euro aus dem Fördertopf.

Investoren suchen

Sell will die Studie jetzt bundesweit bekanntmachen. In dem untersuchten Abschnitt sollen gezielt Projektentwickler und die betroffenen neun Kommunen an einen Tisch gebracht werden, um so schnell wie möglich Projekte auf den Weg zu bringen, am besten mit Thüringer Unternehmen, wie Machnig hofft.

Erste Projekte

In Waltershausen könnte das gelingen. Dort führt die Autobahn an einem großen Gewerbegebiet vorbei. Der Streifen zwischen Gewerbegebiet und Autobahn eigne sich nicht für die Bebauung oder andere Nutzungen. Deshalb sei die Bereitschaft der vielen Flächeneigentümer sehr groß, zu verkaufen, erzählt der Waltershäuser Bürgermeister Michael Brychcy.  Die Kommune arbeite bereits an der Planung eines ersten Bauabschnitts für Solaranlagen. „Es wäre gut, wenn die Planungsverfahren zügig vorankämen“, sagt Brychcy.

04.07.2012