Der Gesundheitsbericht der AOK Plus für Thüringen
Gesunkener Krankenstand durch jüngere Mitglieder
Die AOK plus hat in ihrem jüngsten Gesundheitsbericht einen Rückgang des Krankenstandes ihrer Versicherten in Thüringen konstatiert. Er sank von 5,1 Prozent 2010 auf 4,7 Prozent im vergangenen Jahr. Ein maßgeblicher Grund ist aber nach Einschätzung der Krankenkasse die Verjüngung der Mitgliederstruktur. Außerdem sei Thüringen im vergangenen Jahr von einer Grippewelle verschont geblieben, konstatierte AOK-Plus-Chef Rolf Steinbronn am Donnerstag bei der Vorstellung des Berichts in Erfurt.
Jedes Thüringer AOK-Mitglied war 2011 durchschnittlich 17,1 Tage arbeitsunfähig geschrieben. Im Jahr zuvor waren es noch 18,5 Tage. Die meisten Ausfalltage wurden erneut durch Muskel- und Skeletterkrankungen verursacht (22,8 Prozent). Es folgten die Atemwegserkrankungen (13,3 Prozent) und Verletzungen (12,7 Prozent). Die psychischen Erkrankungen sind erstmals auf Platz vier vorgerückt (8 Prozent).
Mehr Prävention
Perspektivisch will die AOK PLUS noch konsequenter den Weg vom „Reparaturbetrieb im Gesundheitswesen“ hin zur Prävention gehen, sagte Steinbronn. Pro Versicherten gebe die Kasse über 5 Euro im Jahr für Prävention aus. Das sei doppelt so viel wie der Gesetzgeber vorsieht. „Wir würden den Anteil gern weiter erhöhen, werden hier aber derzeit politisch noch ausgebremst“, sagte Steinbronn.
Mehr psychische Erkrankungen
Außerdem müsse die Prävention schon wesentlich früher beginnen, sagt Steinbronn. Zunehmend spielten psychische Erkrankungen eine Rolle, in immer stärkerem Maße bereits auch bei Kindern. „Es sind schier unfassbare Zahlen: 22.768 Kinder bis 12 Jahre wurden 2010 in Thüringen wegen einer psychischen Erkrankung ambulant behandelt. Das ist jedes vierte Kind!“, sagte Steinbronn. Vor vier Jahren waren es noch etwa 19.000 Kinder. Für 3,5 Millionen Euro seien allein an AOK-PLUS-Versicherte unter 18 Jahren Psychostimulanzien verordnet worden.
Vielfältige Ursachen
Zu den Ursachen sagte Peter Schwarz, Professor für Prävention und Versorgung des Diabetes an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, Übergewicht sei oft der Einstieg in eine
„Psycho-Karriere“. Folgen seien beispielsweise Hänseleien, die die Kinder verunsichern und zu mangelndem Selbstbewusstsein führen könnten. Es sei deshalb ganz wichtig, bereits im frühen Kindesalter Präventionsprogramme anzubieten. „Der Ansatz, den die AOK PLUS verfolgt, ist vorbildlich“, so Schwarz. „Sie setzt an den kausalen Ursachen für die Entstehung chronischer Krankheiten an.“
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Der Krankenstand der AOK-Mitglieder in Thüringen betrug im Jahr 2011 4,7 Prozent. Im Jahr 2010 lag der Krankenstand in Thüringen bei 5,1 Prozent.
Der Krankenstand aller AOK-Mitglieder im Bundesgebiet betrug im Jahr 2011 4,7 Prozent. Im Jahr zuvor lag der bundesweite Krankenstand bei 4,8 Prozent.
Der Anteil der Mitglieder, die sich einmal oder mehrfach krank meldeten, betrug 55,1 Prozent. Im Jahr 2010 lag dieser Wert bei 54,4 Prozent.
Die durchschnittliche Krankheitsdauer pro Fall lag bei 10,7 Kalendertagen. Dies entspricht einer Veränderung gegenüber dem Vorjahr von -8,5 Prozent.
Die Branche Öffentl. Verwaltung / Sozialversicherung hatte mit 5,4 Prozent den höchsten Krankenstand bei den AOK-Mitgliedern. Der niedrigste Wert war im Wirtschaftszweig Banken / Versicherungen mit 3,8 Prozent festzustellen.
Auf 100 Versicherte im Land Thüringen kamen 158,8 Arbeitsunfähigkeitsmeldungen. Die Zahl der Krankschreibungen überschritt damit den Vorjahreswert um 0,9 Prozent.
Im Jahr 2011 kamen auf jedes AOK-Mitglied in Thüringen 17,1 Arbeitsunfähigkeitstage. Im
Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage um -7,6 Prozent.
Die Krankheitsarten mit den höchsten Anteilen an allen Arbeitsunfähigkeitsfällen waren:
Atemwegserkrankungen mit einem Anteil von 20,8 Prozent, Muskel- / Skeletterkrankungen mit 17,2 Prozent, Erkrankungen des Verdauungsapparates mit 12,5 Prozent und Verletzungen mit 9,4 Prozent.
Bezogen auf die AU-Tage waren die vier wichtigsten Krankheitsarten die Muskel- / Skeletterkrankungen mit 22,8 Prozent, die Atemwegserkrankungen mit 13,3 Prozent, Verletzungen mit 12,7Prozentund Psychische Erkrankungen mit 8 Prozent.
Der Anteil von AU-Fällen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen betrug 3,8 Prozent. Diese Langzeiterkrankungen verursachten 32,6 Prozent aller AU-Tage.
05.04.2012
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