Erste Abschrift eines protestantischen Liederbuchs gefunden

Titelblatt der Abschrift des sog. Achtliederbuchs; FB Gotha, Cant.spir 8° 959 (02). © Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt
Die zur Universität Erfurt gehörende Forschungsbibliothek Gotha hat bei Recherchen im Zusammenhang mit der aktuellen Ausstellung „Mit Lust und Liebe singen – Die Reformation und ihre Lieder“ eine exakte Abschrift des ersten protestantischen Gesangbuchs, des so genannten „Achtliederbuchs“, entdeckt. Sie stammt aus der Gesangbuchsammlung des Pfarrers und Hymnologen Johann Christoph Olearius (1668?1747) aus Arnstadt, die er sich im Vorfeld des Reformationsjubiläums von 1717 anfertigen ließ.
Bei dem 1524 in Nürnberg gedruckten „Achtliederbuch“ handelt es sich um eine echte bibliografische Rarität, wie die Universität am Dienstag berichtete. Von dem Buch ließen sich heute nur noch wenige Exemplare in den Bibliotheken nachweisen. Eines der seltenen Exemplare befindet sich seit 1793 im Bestand der herzoglichen Sammlungen der Forschungsbibliothek Gotha und stammt aus der Bibliothek des Olearius.
Erklärung für die Doppelung
Wie lässt sich diese Doppelung von Original und Kopie erklären? Offensichtlich war der leidenschaftliche Sammler von Gesangbüchern seit vielen Jahren auf der Suche nach einer Ausgabe des Drucks. Da sich die Suche zunächst als aussichtslos erwies, ließ er sich über den Superintendenten Georg Serpilius (1668?1728) in Regensburg die erwähnte Abschrift anfertigen. Dabei übernahm man sogar die falschen Angaben zum Druckort und -jahr: Wittenberg 1514 statt Nürnberg 1524. Olearius korrigierte diese Angaben handschriftlich auf dem Titelblatt. Die Abschrift diente ihm dann als Vorlage für eine Neuauflage des „Achtliederbuchs“, das er 1717 als seinen Beitrag zum Reformationsjubiläum herausgab. 1723 konnte er schließlich auf einer Auktion ein gedrucktes Exemplar aus dem Nachlass des Numismatikers, Bibliothekars und Antiquars in Arnstadt Christian Schlegel (1667?1722) erwerben.
15.000 Kirchenlieder gesammelt
Olearius trug nach eigenen Angaben nicht weniger als 15.000 Kirchenlieder zusammen, von denen er viele Tausend in seinen zahlreichen Gesangbüchern edierte. Als Hymnologe ermittelte er die Autoren der Lieder, erforschte deren Herkunft und bot umfangreiche Nachweise, wer wann welches Lied erklärt hat. Auf diese Weise lässt sich noch heute feststellen, welche Bedeutung den einzelnen Liedern in der protestantischen Tradition des 16. bis 18. Jahrhunderts zugekommen ist.
22.05.2012
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