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Feldmäuse machen Thüringens Landwirten zu schaffen


Mäuseloch reiht sich an Mäuseloch. Zwischen den Halmen sieht es nicht anders aus (Fotos: Uwe Frost)

Mäuseloch reiht sich an Mäuseloch. Zwischen den Halmen sieht es nicht anders aus (Fotos: Uwe Frost)


Mäuse haben alle Halme dieser Winterweizenpflanz abgefressen, bis auf einen. Lars Fliege von der Agrargesellschaft Pfiffelbach (li) erläuert Agrarminister Jürgen Reinholz das Dilemma.

Mäuse haben alle Halme dieser Winterweizenpflanz abgefressen, bis auf einen. Lars Fliege von der Agrargesellschaft Pfiffelbach (li) erläuert Agrarminister Jürgen Reinholz das Dilemma.

Thüringens Landwirte stehen in diesem Sommer fast hilflos einer Mäuseplage gegenüber. Vor allem das Thüringer Becken zwischen Gotha und Apolda sieht sich einer Invasion von Feldmäusen ausgesetzt, wie es sie lange nicht gegeben hat. Der Chef der Agrargesellschaft Pfiffelbach bei Apolda, Lars Fliege, verzweifelt fast angesichts der Schäden. Auch Agrarminister Jürgen Reinholz hat nur ein paar aufmunternde Worte parat.

Die Agrargenossenschaft bewirtschaftet 4950 Hektar Ackerland und 120 Hektar Grünland. Fliege weist auf ein frisch gepflügtes Feld. „Hier mussten wir das Ackergras unterpflügen“, sagt er. Schon beim zweiten Schnitt wurde nur ein Drittel des erhofften Ertrages eingebracht. Der dritte Schnitt fiel ganz aus. Am Rande des Feldweges zwischen einem Rapsfeld und einem 40 Hektar großen Schlag mit Winterweizen reiht sich Mäuseloch an Mäuseloch. Was man vom Weg aus nicht sieht: In den Feldern selber sieht es nicht anders aus. Fliege reißt eine Weizenpflanze heraus: Von den etwa ein Dutzend Halmen ist nur ein einziger übrig geblieben, die anderen haben die Mäuse abgebissen. Die Ähren am Boden sind leer.

Weitere Aussaaten bedroht

Auf etwa 90 Prozent schätzt Fliege die Ausfälle auf diesem Schlag. In der gesamten Agrargesellschaft werden es aufs Jahr gerechnet zwischen 30 und 50 Prozent sein. Aber hier, auf diesen im Halm stehenden Feldern, kann er nichts mehr tun. „Hier sind wir durch“ meint er resigniert. Doch noch mehr sorgt er sich um die bevorstehenden Aussaaten. In vier Wochen ist der Winterraps an der Reihe. Die Jungpflanzen, so fürchtet der Landwirt, werden den Mäusen zum Opfer fallen. „Hier droht ein Totalausfall.“

Kaum Bekämpfungsmöglichkeiten

Viele Möglichkeiten haben die Bauern nicht. Sie pflügen sehr tief, um die Mäusenester zu zerstören. Großflächig Gift ausbringen ist nicht erlaubt. Agrarminister Jürgen Reinholz macht bei seinem Besuch keine Versprechungen. Der Antrag des Landes, mit einer Ausnahmegenehmigung den seit zwei Jahren nicht mehr zugelassen Wirkstoff Chlorphacinon in diesem Notfall wieder für den Einsatz freizugeben, wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ebenso abgelehnt wie der Antrag, Wirkstoffe großflächig auszubringen. Aber anders, da sind sich Fliege und Reinholz einig, wird man der Plage nicht Herr werden.

Gründe unbekannt

Warum sich die Mäuse in diesem Jahr so ausgebreitet haben, weiß niemand zu sagen. Ein überdurchschnittliches Anwachsen der Populationen kommt alle vier, fünf Jahre vor, sagt Fliege. Auf keinen Fall hat es etwas mit der Größe der Schläge zu tun. Egal wie groß und egal, welche Pflanzenkultur darauf steht, die Feldmäuse wüten derzeit überall.

11.07.2012