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„Fremd – Gehen“: Theater Erfurt entführt Besucher in fremde Länder


Der Intendant der Erfurter Oper, Guy Montavon (Foto: Uwe Frost)

Der Intendant der Erfurter Oper, Guy Montavon (Foto: Uwe Frost)

Der Spielplan für die Spielzeit 2012/13 am Theater Erfurt steht. Aber die Finanzierung ist noch unklar. Wie immer haben Generalintendant Guy Montavon und seine Mitstreiter ein Motto für die neue Spielzeit gewählt: „Fremd – Gehen“ lautet es dieses Mal und es kündet davon, dass die Besucher mit den vielen neuen Aufführungen an Schauplätze in aller Welt entführt werden sollen. Auch eine Uraufführung wird es wieder geben.

Den Anfang des Streifzugs durch die Welt macht Spanien mit Georges Bizets „Carmen“, sagte Montavon am Donnerstag in Erfurt bei der Präsentation des neuen Spielplans. Das Werk werde in französischer Sprache aufgeführt. Nach Russland entführt Peter Tschaikowskis Oper „Die Zauberin“, nach Italien Ruggero Leoncavallos „Die Medici“. Viele weitere Stationen kommen hinzu.

Total skurrile Geschichte

Mit der Welturaufführung einer Oper kommt Montavon dem Wunsch der Gesellschafter des Theaters nach, den Zyklus der Uraufführungen nicht abreißen zu lassen. Allerdings sei das ein „immer schwierigeres Unterfangen“, sagte der Intendant. Gezeigt wird die Oper „Die Frauen der Toten“ des 1961 in Darmstadt geborenen Komponisten Alois Bröder. Es beruht auf einer gleichnamigen Geschichte von Nathaniel Hawthorne. Auf die Zuschauer warte eine „total skurrile Geschichte“, sagte Montavon.

Montavon inszeniert Operette

Persönliches Neuland betritt Montavon. „Erstmals in 30 Jahren“ wage er sich an die Inszenierung einer Operette. In einer Koproduktion mit dem Mainfranken-Theater Würzburg bringe er Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ auf die Bühne.

Auf dem Spielplan stehen ferner Georg Friedrich Händels Oper „Julius Caesar“, Das Musical „Anatevka“ von Jerry Bock und Giuseppe Verdis Oper „Simon Boccanegra“. Für Kinder gedacht ist die Piraten-Oper „Die Schatzinsel“ von Frank Schwemmer.

Nibelungen an einem Abend

Eine besondere Inszenierung wird eine für einen Abend gekürzte und für Kammerorchester adaptierte Fassung von Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ sein. An der Aufführung werden 19 Musiker, Schauspieler und vier Puppenspieler vom Erfurter Theater Waidspeicher mitwirken, sagte Samuel Bächli, der kommissarische Leiter des Orchesters. Das eröffne dem Publikum einen neuen Zugang zu dem Werk. Die Einbeziehung der Puppen ermögliche es, auch die Größenunterschiede von Zwergen, Vögeln und Riesen vor Augen zu führen. „Das klingt vielleicht etwas naiv, aber das Stück ist viel naiver als viele denken“, sagte Bächli.

Allen zugänglich

Auch bei den Sinfoniekonzerten werde es wieder eine Reihe von Werken zeitgenössischer Komponisten geben, kündigte Bächli an. Aber es handle sich um Stücke, die man „ohne große Einführung hören kann und die jedem zugänglich sein werden“. Dazu gehöre auch die 2002 entstandene Auftragskomposition des finnischen Dirigenten und Komponisten Esa-Pekka Salonen „Insomnia“. Zu hören sein werden auch Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ in der sinfonischen Fassung von Maurice Ravel, Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“,  Igor Strawinskys „Petruschka“.

Auswahlverfahren läuft

Bächli wird das Orchester in der nächsten Spielzeit kommissarisch leiten, nachdem der Vertrag des bisherigen Generalmusikdirektors Walter E. Gugerbauer nicht wieder verlängert worden war. Um die Stelle habe es etwa 80 Bewerbungen gegeben, sagte Montavon. Man habe eine Shortlist von 10 Kandidaten zusammengestellt, die jetzt nach und nach in Probedirigaten und Konzerten geprüft würden. An der Entscheidung, die bis zum Ende der nächsten Spielzeit getroffen werden soll, werde das Orchester intensiv beteiligt.

Finanzierung noch unklar

Neben dem Theater Eisenach gibt es auch noch keine Finanzierungsvereinbarungen des Erfurter Theaters mit den Gesellschaftern, dem Land und der Stadt Erfurt. Er sei aber zuversichtlich, dass die Vereinbarung rechtzeitig kommt. Er hoffe, dass es nicht weniger Geld geben wird als bisher. Allerdings werde der Etat schon jetzt durch den Tarifabschluss belastet. Die 6,5 Prozent Tarifsteigerung in den nächsten beiden Jahren seien „eine massive Keule“, sagte Montavon. 

10.05.2012