IAB-Panel: Bedarf an Fachkräften in Thüringen so hoch wie nie
Der Fachkräftebedarf in Thüringer Unternehmen steigt: 22 Prozent der offenen Stellen konnten im vergangenen Jahr nicht besetzt werden. Das ist ein Zuwachs von vier Prozentpunkten gegenüber 2010, geht aus dem aktuellen IAB-Betriebspanel hervor, einer jährlichen Arbeitgeberbefragung im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB). Davon sei fast jeder zehnte Thüringer Betrieb betroffen.
„Die Deckung des Fachkräftebedarfs ist und bleibt die wichtigste Herausforderung, vor der wir bei der wirtschaftlichen Entwicklung in Ostdeutschland stehen“, sagte Thüringens Arbeitsminister Matthias Machnig am Montag in Erfurt zu den Ergebnissen des Panels.
Zu niedriges Lohnniveau
Als ein Problem wertete Machnig die niedrigen Löhne. Zwar ist laut Panel der Bruttodurchschnittslohn (pro Vollzeitstelle) im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 von 2220 Euro auf 2290 Euro gestiegen, er liegt aber immer noch unter dem ostdeutschen (2350 Euro) und deutlich unter dem westdeutschen Durchschnitt (2980 Euro). Hinzu komme, dass 35 Prozent – also gut ein Drittel – aller Beschäftigungsverhältnisse in Thüringen atypisch sind (Befristung, geringfügige Entlohnung, Teilzeit). Dies sei der höchste Anteil atypischer Beschäftigung seit der Wende und ein Anstieg von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
„Wenn wir gut ausgebildete Fachkräfte im Land halten wollen, muss es in den kommenden Jahren eine deutliche Aufwärtsbewegung bei Löhnen und Gehältern geben“, sagte Machnig. Dazu müsse das Land sein Niedriglohnimage abschütteln und bei Themen wie fairen Arbeitsbedingungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Frauenerwerbstätigkeit weiter vorankommen. „Gute Arbeit ist das beste Rezept gegen Fachkräftemangel.“
Mehr ältere Arbeitnehmer
Um ihre Fachkräftenachfrage zu decken, setzen Thüringer Unternehmen nach der Umfrage verstärkt auf ältere Arbeitnehmer. 2011 habe der Anteil älterer Beschäftigter an allen Arbeitnehmern mit 32 Prozent (2002: 22) in Thüringen auf dem höchsten Niveau bundesweit gelegen. In Westdeutschland lag der Anteil 2011 bei 26 Prozent (2002: 18). „Angesichts des Fachkräftemangels müssen in Thüringen alle Beschäftigungsreserven erschlossen werden. Dazu gehört auch, ältere Arbeitnehmer besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagte Machnig.
Deshalb sei es auch positiv zu bewerten, dass eine wachsende Zahl von Unternehmen auf die Qualifizierung ihrer Beschäftigten setzt: 53 Prozent aller Betriebe in Thüringen bieten Weiterbildungsmöglichkeiten an (Westdeutschland: 52 Prozent) – der höchste Stand seit zehn Jahren. Dementsprechend hat sich auch die Zahl der Beschäftigten, die von ihren Betrieben dabei durch Freistellung oder Kostenübernahme unterstützt wurden, um sechs Prozentpunkte auf 35 Prozent erhöht.
Die Arbeitgeberbefragung des IAB umfasst insgesamt rund 15.300 Unternehmen und Einrichtungen in ganz Deutschland, darunter rund 1100 in Thüringen. Mit der Stichprobe wurden 1,8 Prozent der Betriebe in Thüringen mit 7,6 Prozent der Beschäftigten erfasst.
14.05.2012
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