Kleiner Ort mit Kunsttradition – Tiefthal lädt zum 10. Mal zum Kunstfest

Impressionen vom Kunstfest (Foto: Bernd Kupke)

Konzert in der Tiefthaler Kunstscheune (Foto: Eckardt Schön)

Auftritt des Duos "Kalter Kaffee" beim Kunstfest 2008 (Foto: Eckardt Schön)
Helmut Besser freut sich, wenn man über ihn lacht. Er ist Clown. In den Wochen vor Mittsommer aber wirkt er manchmal etwas angespannt. Das Kunstfest in Tiefthal, einem beschaulichen Dorf am Nordrand von Erfurt, steht bevor; und in diesem Jahr ist besonders viel zu tun: Das Festival findet zum zehnten Mal statt. Es dauert deshalb auch etwas länger als sonst, das Programm ist umfangreicher, die Liste der erwarteten Künstler länger und die Liste der Dinge, die „Clown Helmi“ zu erledigen hat, ist es auch.
Dabei hat, wie der Liedermacher Gerhard Schöne einst sang, alles mal klein begonnen. Wie so oft bei Bier und Wein in einer Kneipe. Warum, so sannen Clown Helmi, Kabarettist Ulf Annel, Kabarettistin Gisela Brand, der Musiker Wolfgang Wollenschläger, der Fotograf Ronald Neumeister, Christian Paschold, ein Bildhauer, und einige andere Künstler, allesamt Einwohner in Tiefthal, warum also sollten wir nicht mal zusammen etwas machen? Kunst, Kneipe, „Kunst und Kneipe“ das wär’ doch was.
Kleiner Anfang
„Kunst und Kneipe“ hieß denn auch anno 2002 das erste, kleine Kunstfest an den Ufern des Weissbaches, vor allem aber im Weissbach-Cafe und der dazugehörigen Scheune. Die hieß fortan Kunstscheune und ist seitdem regelmäßig Ort von Ausstellungen. Der Erfolg von „Kunst und Kneipe“ animierte zum Weitermachen und so wuchs eine Kunstfestfestreihe, die Jahr um Jahr mehr Gäste anzog.
Viele machen mit
Wäre das Kunstfest nur eine Angelegenheit der Tiefthaler Künstler geblieben, es hätte wohl keine große Zukunft gehabt. Doch nach und nach zogen andere mit. Lokalitäten, die Freiwillige Feuerwehr, Schützenverein, Frauenchor, Männerchor, Gemeindekirchenrat, die Künstler sowieso und mehr und mehr auch Tiefthaler, die zum Beispiel ihre Höfe Kunst und Gästen öffneten, und die ortsansässigen Firmen und nicht zuletzt auch Sponsoren und Spender.
Jedes Jahr, Anfang Juni, war in Tiefthal nun Kunstfest. Jedes Jahr mit einem neuen Motto. „Vive le Tiefthal“ hieß 2004 die Koproduktion mit Künstlern aus Erfurts Partnerstadt Lille, „Zeitfenster“ das sechste 2008. Zum 7. Kunstfest ein Jahr später hieß es „Die glorreiche sieben“, „Alle Neune“ im vergangenen Jahr. Dieses Jahr ganz lapidar "X".
Kunst vom Feinsten
Geboten wird immer Kunst vom Feinsten: Domorganist Silvius von Kessel war da. Er bestreitet in diesem Jahr in der Tiefthaler Kirche auch das Abschlusskonzert, wirft Helmut Besser schon mal einen Blick voraus. Das Erfurter Kabarett „Die Arche“ ist seit Jahren zu Gast, natürlich auch zum Jubiläum. Erfurts Stadtschreiber kamen zu Lesungen. Konzerte, Ausstellungen von Fotografie und Malerei von Künstlerprofis wie Amateuren sind ein Standard im Programm: In diesem Jahr stellen die „Farbartisten“ vom Christophoruswerk ihre Bilder aus, die im vergangenen Jahr unter dem Motto „Über sieben Brücken“ (Tiefthals) entstanden sind. Ebenso regelmäßig tritt der Tiefthaler Musiker Fabian Fiedler, der mittlerweile in Berlin Karriere macht, in seinem Heimatort auf. Die Liste muss ob der Fülle unvollständig bleiben.
Bleibendes entstand
Auch Bleibendes entstand. So schuf Christian Paschold eine Reihe von Originalskulpturen und Repliken eigener Werke, die inzwischen an verschiedenen Plätzen Tiefthals stehen. Ein Projekt mit Hindernissen: Die bürokratischen Hürden, um die Skulpturen im öffentlichen Raum waren so groß, dass es beinahe scheiterte. Kommissionen wollten beispielsweise den Nachweis haben, dass es sich auch wirklich um Kunst handle, erinnert sich Helmut Besser. Man besprach sich - und stellte die Skulpturen gut sichtbar, aber auf privatem Grund und Boden auf: Vor dem Wohnhaus von Christian Paschold, im Vorgarten des Kindergartens, am Künstlerhaus „Kreativthal“ oder vor dem Weißbachcafe.
Tiefthal bekommt Brunnen
Auf Zuwachs hofft Helmut Besser auch in diesem Jahr. Wenn alles klappt und die technischen (und finanziellen) Hürden gemeistert werden, wird zum Kunstfest in der 1. Juni-Dekade ein Brunnen aufgestellt, den der Weimarer Bildhauer Walter Sachs entwarf und der seit Jahren ungenutzt in einem Erfurter Depot lagert. Nicht zurück kommt indes das Altarbild aus der Tiefthaler Kirche. Es befindet sich als Leihgabe der Kirche seit 1924 dem Angermuseum, das es eben erst aufwändig restauriert hat und in seiner Mittelaltersammlung zeigt. Das mittlere des einst dreiflügeligen Bildes leihweise während des Kunstfestes am ursprünglichen Standort zu zeigen, ist dem historischen Stück aus dem 15. Jahrhundert nicht zuzumuten, erzählt Helmut Besser, der auch Ortsteilbürgermeister in Tiefthal ist. Stattdesssen erhält die Kirche zum Kunstfest eine Replik des Altars in Gestalt einer großformatigen Fotoleinwand.
Über 200 Künstler
Für das Jubiläumskunstfest haben sich Helmut Besser und seine ehrenamtlichen Mitstreiter viel einfallen lassen. Zehn Tage dauert das Fest diesmal. Eröffnet wird es am Samstag, dem 1. Juni, mit einem großen Kinderfest. Am darauf folgenden Dienstag wird die Ausstellung der Farbartisten eröffnet. Am Freitag gibt die „Arche“ ihr Gastspiel im „Jägerschmaus. Und im Weissbacg-Cafe laden die Sänger und Musiker Jürgen Kerth, Angelika Weitz, Gotte Gottschalk und der Nachwuchstrommler Robert Franz zu Blues, Jazz und Rock ein. Auftritte gibt es auch vom Jugendtheater Schotte, einem Puppentheater, Fabian Fiedler und vielen, vielen anderen Künstlern.
(Weitere Infos, auch zum Programm: www.kunstfest-tiefthal.de)
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