Wirtschaft & Politik

Tarifstreit in Metallindustrie geht weiter


Bei N3 in Arnstadt wurde am Mittwoch gestreikt (Foto: Uwe Frost)

Bei N3 in Arnstadt wurde am Mittwoch gestreikt (Foto: Uwe Frost)

Begleitet von Warnstreiks sind am Mittwoch die Tarifverhandlungen für die Thüringer Metall- und Elektroindustrie erneut ergebnislos vertagt worden. Die Arbeitgeber warfen der IG Metall vor, nicht ernsthaft zu verhandeln und erwarteten eine Reaktion auf ihr Angebot. Die IG Metall beharrte auf ihren Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Übernahme aller Lehrlinge.

"Die IG Metall sitzt zwar am Verhandlungstisch, mit ihren Gedanken ist sie jedoch bei den Streiks und Kundgebungen auf der Straße“, kritisierte Verhandlungsführer Eduard Kulenkamp von M+E Mitte, am Mittwoch nach der vierten Verhandlungsrunde in Zweibrücken. „So lässt sich aber kein Konsens finden", fügte er hinzu.

Kulenkampf forderte die IG Metall auf, sich jetzt von ihren Maximalforderungen wegzubewegen. Stattdessen weite die Gewerkschaft die Warnstreiks aus. "Diese unnötige Machtdemonstration schadet den Betrieben und damit letztlich den Arbeitnehmern", so der Verhandlungsführer. Er erinnert daran, dass in Bereichen wie dem Maschinenbau noch immer nicht das Vorkrisenniveau erreicht sei. "Zudem trübt sich die Konjunktur schon wieder ein. In solch eine Situation passen keine Streiks", so Kulenkamp. Er appelliert an die IG Metall, keine weitere Zeit verstreichen zu lassen.

Weitere Warnstreiks

Die IG Metall hatte für Mittwoch zu weiteren Warnstreiks aufgerufen. So legte ein Teil der Belegschaft des Triebwerkswartungsunternehmens N3 Engine Overhaul in Arnstadt die Arbeit nieder. „Mit dem erneuten Aufruf der Belegschaft wollen wir den Druck auf die Arbeitgeber aufrecht erhalten und auf eine Lösung des Tarifkonflikts am Verhandlungstisch drängen“, erklärte Wolfgang Lemb, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Erfurt.

Für die Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall in der Tarifbewegung 2012 eine Ausweitung der Mitbestimmung des Betriebsrates beim Einsatz von Leiharbeitsbeschäftigten, die unbefristete Übernahme der Auszubildenden, sowie eine Entgeltsteigerung von 6,5 Prozent. 

Zur aktuellen Verhandlungssituation sagte Lemb: „Angesichts der Tatsache, dass es gestern bei den Verhandlungen in Baden-Württemberg und heute bei der Mittelgruppe nicht zum Durchbruch gekommen ist, wird die IG Metall in Erfurt für den morgigen Tag mehrere Betriebe zu massiven Warnstreiks aufrufen".

Bereits in der dritten Verhandlungsrunde am 19. April hatten die Arbeitgeber ein Angebot vorgelegt. Es sieht unter anderem eine dreiprozentige Entgeltsteigerung bei einer 14-monatigen Laufzeit vor. Um die Flexibilität der Betriebe zu erhöhen, sollen zukünftig 25 Prozent statt derzeit 13 Prozent der Belegschaft 40 Stunden arbeiten und entsprechend mehr verdienen dürfen. Um mehr Jugendlichen Chancen auf die anspruchsvolle Ausbildung in M+E-Berufen zu eröffnen, wollen die Arbeitgeber zudem gemeinsam mit der IG Metall entsprechende Förder-Modelle entwickeln.

M+E Mitte will weiteren sich an Baden-Württemberg orientieren

Zur Beschleunigung der Verhandlungen hat die Tarifgemeinschaft M+E-Mitte in Übereinstimmung mit allen anderen Gesamtmetallverbänden der IG Metall vorgeschlagen, alle weiteren Anstrengungen zunächst im Tarifgebiet Baden-Württemberg zu konzentrieren, um dort einen Durchbruch zu versuchen. "Am Ende brauchen wir ein Ergebnis, mit dem die gesamte Branche leben kann", sagte Kulenkamp.

09.05.2012