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Taugen E-Fahrzeuge für den Alltagstest – Erste Testphase abgeschlossen


Ein mobiles Ladeteil für Elektroautos (Foto: Uwe Frost)

Ein mobiles Ladeteil für Elektroautos (Foto: Uwe Frost)

5000 Thüringer hatten sich beworben. Acht erhielten im Sommer 2011 einen Mitsubishi i-MiEV, den sie zwölf Monate unter Alltagsbedingungen testen sollten. Unter den Testfahrern waren ein Schornsteinfeger, eine Hebamme und ein Bankangestellter. Betreut wurde der Test vom Energieversorger E.ON Thüringer Energie AG, dessen Vorstandschef Reimund Gotzel am Montag in Erfurt eine positive Bilanz zog.

Nach einem Jahr stehen insgesamt 80.000 gefahrene Kilometer zu Buche. Dabei schwankten die werktags gefahrenen Strecken zwischen knapp 20 und etwas mehr als 50 Kilometern. An Wochenenden waren die Testfahrer zwischen 10 und knapp 30 Kilometern unterwegs. Im Schnitt waren es pro Tag 37,8 Kilometer.

Nur ein Zweitwagen

Schon diese Daten zeigen, dass das 67 PS starke und knapp 30.000 Euro teure E-Mobil im Kleinwagenformat im Wesentlichen im Nahbereich der Wohnung des Nutzers eingesetzt wurde und damit wohl eher als Zweitwagen taugt. Matthias Sturm, bei E.ON in Thüringen Bereichsleiter Grundsatzfragen Technik, sieht seine Vorzüge denn auch eher im ländlichen Raum angesiedelt, wo es keine dichte Nahverkehrs-Infrastruktur gibt.

Zwar sind weder das Fernfahrverhalten der Testpersonen noch die Zahl der zusätzlichen täglichen Kilometer mit einem konventionell betriebenen Motor untersucht worden, aber Sturm schätzt, dass 80 Prozent der Fahrten im Nahbereich absolviert wurden. In der Regel dürften damit der Weg zur und von der Arbeit, zum Kindergarten und zum Einkauf absolviert worden sein. Schon der Schornsteinfeger und die Hebamme dürften ihre Schwierigkeiten gehabt haben, mit dem E-Auto alle ihre Kunden erreicht zu haben. Andererseits wird der Stadtmensch für die kurzen Wege wohl eher Straßenbahn oder Bus benutzen als das E-Auto.

Fahrtkosten geringer

Gotzel führt aber ins Feld, dass die Fahrtkosten beim Elektroauto deutlich niedriger liegen: Um die 4 Euro auf 100 Kilometer, nur etwa halb so viel wie bei einem Benziner. Den Nachteil der eingeschränkten Mobilität hält er eher für ein psychologisches Problem. Während des Tests haben die meisten Nutzer ihr Fahrzeug zwischen 5 und 10 Uhr von der Steckdose genommen und zwischen 15 und 21 Uhr wieder ans Ladegerät angeschlossen. Entscheidend sei, ob das Auto dem Nutzungsverhalten des Kunden entspricht, meint Gotzel.

Neue Konzepte

Bei den jetzigen Gewohnheiten der Pkw-Nutzung, bei der der Besitz eines eigenen, „universell“ einsetzbaren Fahrzeugs im Vordergrund steht, dürfte also das E-Mobil kaum eine Chance haben. Eher bietet das Hybrid-Auto für eine Übergangszeit eine Alternative, bis reine E-Autos preiswert und überregional mobil sind, was wiederum eine ausgebaute Infrastruktur von Ladestationen erfordert. Aber die Lösung sind die Hybriden nicht.

Gebraucht werden neue Verkehrskonzepte. Gotzel nennt zwei Beispiele. Konventionelle Tankstellen stehen heute schon an den besten Standorten. Sie könnten neben Benin auch Strom anbieten. Oder das Parken: Statt Park and Ride könnte es heißen Park and Load.

Zweiter Test

Ein erster Schritt ist Teil 2 des Versuchs, den E.ON am Montag gemeinsam mit der Universität Ilmenau und dem Ilmenauer Fraunhoferinstitut für Angewandte Systemtechnik startete In dieser zweiten Phase des Tests wollen die Wissenschaftler ein System entwickeln, mit dem die Auto-Akkus nur mit Strom aus Sonnen- und Windkraft aufgeladen werden können. Die Idee ist, damit  die Belastungen der Netze zu reduzieren und gleichzeitig die Auslastung der Netze gleichmäßiger zu gestalten. Anhand von regionalen Wetterdaten und den Vorausberechnungen für die Verfügbarkeit von Solarstrom oder Windenergie würden die besten Bedingungen für das Aufladen des angeschlossenen Fahrzeuges berechnet. Ziel sei es auch, regional erzeugten Strom ohne große Transportverluste an Ort und Stelle zu verbrauchen.

Wandel nicht gegen die Verbraucher

Aber wenn der Wind gerade nicht weht? Der Wechsel zu alternativen Verkehrsmitteln lässt sich nicht erzwingen, macht Gotzel klar. Schon gar nicht gegen die Verbraucher. Das E-Auto muss startklar sein, wenn der Nutzer es braucht. Im Zweifel also auch mit konventionellem Strom.

16.07.2012