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Benzin aus der Steckdose


Ein Solardach für das Auto von der Firma asola (Foto: Uwe Frost)

Drei Anläufe hat Prof. Klaus Augsburg miterlebt. Beim dritten ist er sich sicher: Das Elektroauto kommt. Der Fachgebietsleiter Kraftfahrzeugtechnik an der Technischen Universität Ilmenau ist aber ebenso überzeugt, dass die elektromobile Zukunft „eine Reihe von Evolutiönchen“ ist, will sagen, es dauert noch eine Weile.

Mindestens noch bis 2050, eher noch länger, werden Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Hybridfahrzeuge und Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb parallel im Einsatz sein, glaubt Augsburg. Deshalb müssten Fahrzeuge generell effizienter werden, und das ist möglich, sagt der Wissenschaftler.

Große Reserven bei Nutzfahrzeugen

Im Moment ist die Umweltgesetzgebung der wichtigste Treiber für die Entwicklung neuer Antriebssysteme und Fahrzeuge, sagte Augsburg am Donnerstag in Erfurt auf einer Tagung. Dabei seien aber die Handlungsspielräume bei Nutzfahrzeugen erheblich größer als bei Pkw. Die geplanten ökologischen Einsparziele seien nur erreichbar, wenn der Wirkungsgrad der Antriebe um mehr als 50 Prozent erhöht wird.

Viele Probleme zu lösen

Was für Probleme dabei zu lösen sind, erläutert Augsburg anhand der Reichweite von Elektroautos. Fährt ein Auto mit einer Batterieladung 200 Kilometer, sind es schon ein paar Kilometer weniger, wenn man das Abblendlicht zuschaltet. Mit Abblendlicht, Scheibenwischer und Sitzheizung kommt man nur etwa 170 Kilometer weit. Fährt man bei Minus 10 Grad und schaltet die Heizung zu, reicht es nicht einmal mehr für 100 Kilometer.

Deshalb müssten sich die Ingenieure – unter anderem - darum kümmern, die Masse von Batterie und Fahrzeug drastisch zu verringern, etwa durch Leichtbaumaterial.

Große Reserven

Große Reserven sieht Augsburg in den Antriebssystem selbst, sei es Elektro, sei es Benziner, Diesel oder Hybrid. Das bezieht sich nicht nur auf die Motoren, sondern beispielsweise auch auf alle Verzahnungsstellen wie Getriebe. Oder in die Räder integrierte Dämpfungssysteme. Oder einen Reifen, der sich je nach Geschwindigkeit verbreitert und den Innendruck variiert, was den Rollwiderstand verringert. Oder  Fahrerassistenzsysteme, die vorausschauendes Fahren garantieren..

Neue Mobilitätssysteme

Eines wird auf der Tagung deutlich: Es geht nicht nur um neue Fahrzeuge, sondern generell um völlig neuartige Mobilitätskonzepte. Benzin kommt künftig aus der Steckdose, sagt Thüringens Verkehrsminister Christian Carius. Das bedeute aber auch, dass die nötige Infrastruktur für Elektromobilität aufgebaut werden muss. Das schließe die Verknüpfung des Individualverkehrs mit dem öffentlichen Nahverkehr ein. Zum Beispiel durch Strom-Tankstellen an Bahnhöfen.

Pilotprojekt in Erfurt

Unterdessen startet in Erfurt ein Pilotprojekt zur Nutzung von E-Fahrzeugen im kommunalen Bereich, das von der  Fachhochschule wissenschaftlich begleitet wird. Dabei wird zunächst untersucht, welche der Fahrzeuge des städtischen Fuhrparks sich durch E-Mobile ersetzen lassen. In Frage kommt ein Einsatz für „leichten Wirtschaftsverkehr“, beispielsweise bei der Bewirtschaftung der ega oder des Zooparks. Nach bisherigen Schätzung könnten drei von vier Fahrzeugen durch E-Mobile ersetzt werden. Im Rahmen des Pilotprojekts werden auch zwei Prototypen aus Thüringer Produktion getestet. Zum einen handelt es sich um ein Fahrzeug des Thüringer Nutzfahrzeugherstellers Multicar, der sich auf Kleinfahrzeuge beispielsweise für die Stadtwirtschaft spezialisiert hat. Ein zweites Fahrzeug stammt von der Hörmann IMG aus Nordhausen.

03.03.2011