Thüringen startet Weiterbildungs- und Qualifizierungsprogramm
Unter dem Motto „Thüringen braucht Dich“ startet der Freistaat eine Weiterbildungs- und Qualifizierungsinitiative. In der gemeinsamen Aktion von Wirtschaftsministerium, Bundesagentur für Arbeit, Kammern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften sollen vor allem Personen bis 35 Jahre angesprochen werden, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Wirtschaftsminister Matthias Machnig bezifferte diese Gruppe auf etwa 20.000 Personen. Die Hälfte von ihnen sei arbeitslos.
„Wir wollen neue berufliche Perspektiven für benachteiligte junge Leute schaffen und sie als qualifizierte Arbeits- und Fachkräfte für die Unternehmen im Land halten“, sagte Machnig am Montag in Erfurt bei der Vorstellung der Initiative. „Thüringen braucht Dich“ ziele vor allem auf jene geburtenstarken Jahrgänge der zwischen 1976 und 1988 Geborenen, für die in den ersten anderthalb Jahrzehnten nach der Wende in Thüringen nicht genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung standen. Heute verfüge ein Teil dieser Generation deshalb nur über geringe oder nicht verwertbare berufliche Qualifikationen.
Vier Projektteile
Die Initiative umfasst vier Projektteile. Zum einen geht es nach Angaben des Wirtschaftsministeriums um eine Duale Berufsausbildung in Vollzeit. Daneben soll auch eine berufsbegleitende duale Berufsausbildung möglich sein. Weiter sei geplant, anerkannte und zertifizierte Qualifizierungsbausteine anzubieten, die auf die speziellen Belange Benachteiligter zugeschnitten sind und ebenfalls zu einem anerkannten Abschluss führen. Schließlich umfasse das Programm eine abschluss- und aufstiegsbezogene Weiterbildung.
BA nutzt bestehende Programme
Der Chef der Regionaldirekten Sachsen-Anhalt- Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, sagte, für das Programm würden bestehende Förderprogramme genutzt. Die Initiative sei ein Beitrag zur „nachhaltigen Sozialpolitik“. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Gerald Grusser, sagte, die Nachqualifizierung bekomme mit der Initiative eine neue Qualität. Die persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Betroffenen würden viel besser berücksichtigt.
Chance für Abschluss
Stephan Fauth, VWT-Hauptgeschäftsführer, sagte, eine solche Initiative sei „nicht nur wichtig für uns als Arbeitgeber, weil wir natürlich qualifizierte Mitarbeiter brauchen, ich denke, es ist auch die große Chance für eben jene Menschen, die bisher nicht die Möglichkeit hatten, einen Berufsabschluss zu erwerben, sich selbstbewusster und selbstbestimmter im Arbeitsalltag zu bewähren.“
Mit dem Projekt ‚Thüringen braucht dich’ sorgt der Freistaat selbst dafür, die Fachkräftelücke zu schließen, sagte Stefan Körzell, Vorsitzender DGB-Bezirk Hessen-Thüringen. „Das ist ein wichtiges Signal für die jungen Erwachsenen. Es heißt: ‚Ihr werdet gebraucht’, fügte der Gewerkschafter hinzu. Deshalb sollten sie sich jetzt melden und die Chance nutzen, sich ausbilden zu lassen.“
Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der HWK Erfurt, sagte, die Initiative sei auch ein Weg, den nötigen Generationswechsel im Handwerk zu unterstützen. Zugleich appellierte er an alle Beteiligten, sich jetzt möglichst schnell auch der Gruppe älterer Arbeitsloser zuzuwenden.
Start am 1. Mai
Die Initiative „Thüringen braucht Dich“, die am 1. Mai offiziell startet, umfasst Angebote für die Erstausbildung, Weiterbildung und Zusatzqualifizierung, die über die Arbeitsagenturen, die Kammern und die Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung (GfAW) abgesichert werden. Um Information und Zugangsmöglichkeiten zu diesen Angeboten zu verbessern, wird eine Servicestelle mit Hotline bei der Thüringer Agentur für Fachkräftesicherung (ThAFF) eingerichtet. In allen Arbeitsagenturen und Jobcentern, den Kammern und der GfAW stehen konkrete Ansprechpartner als Programmbegleiter und Programmkoordinatoren zur Verfügung.
Bestandteil der Initiative „Thüringen braucht Dich“ ist eine begleitende Kampagne zur Ansprache und Aktivierung der jungen Erwachsenen, die ebenfalls am 1. Mai mit Plakaten, Anzeigen, Funkspots, Direct-Mailings und einer eigenen Internetplattform startet. „Damit wollen wir wachrütteln und aufrufen: Jeder bekommt eine zweite Chance – er muss sie aber jetzt auch nutzen“, erklärt Wirtschaftsminister Machnig die Botschaft. Die Kampagne läuft in mehreren Phasen (allgemeine Ansprache – Ansprache Arbeitnehmer – Ansprache Arbeitgeber) bis zum 15. Juli.
27.02.2012
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