Die dritte Dimension
John Lennons Brille fand ich einst gut. Dieses nüchterne Gestell mit den beiden runden Gläsern – es passte zu ihm, dem klug daher kommendem Teil einer Band, die mir auch heute noch die unschlagbar beste zu sein scheint. Ich kannte damals jeden Titel. Na ja, fast jeden.
Ein paar Jahre später, die Beatles gab es nicht mehr, ihre Musik sehr wohl, begannen mir die Schriftzeichen vor meinen Augen ein wenig zu verschwimmen. Eine Brille musste her. Es war kein Lennon-Eisen, sondern ein seinerzeit hochmodisches, klobiges, fast bis auf die Oberlippe reichendes, mit dicken Drähten umfasstes Etwas, das auf meine Nase drückte, schlecht aussah und meinen Blick – bildlich wie intellektuell - nur mäßig schärfte.
Nach mehreren Brillen, deren Gestelle je nach der Mode wechselten – zur Zeit trage ich randlos – bin ich an einem Wendepunkt angelangt. Die dritte Dimension im internationalen Filmwesen nötigte mir unlängst eine spezielle Brille auf. Dumm nur, dass ich fast nichts sah, wenn ich meine inzwischen mehrere Dioptrien starke Sehhilfe gegen die 1-Euro-Brille, die es zur Kinokarte dazugab, austauschte. Also stülpte ich beide Brillen übereinander, was mich zwang, den Kopf während der drei Stunden auf dem fremden Planeten möglichst nicht ruckartig zu bewegen - angesichts der aus der Leinwand herausschießenden Kampfmaschinen keine ganz einfache Angelegenheit. Ich weiß nicht, wo die Kopfschmerzen herrührten, von der starren Sitzhaltung, dem Geballere oder dem ungewohnten Seherlebnis. Ein Erlebnis der dritten Art war der Film aber irgendwie doch.
Vor ein paar Monaten habe ich mir ein neues Fernsehgerät gekauft. Flach und groß und HD-tauglich. Allerdings brauchte ich dann noch einen neuen Empfänger fürs digitale Satellitensignal. Der aber wiederum nicht taugt für HD+. Auch der Festplattenrekorder, der vor noch nicht allzu langer Zeit den in die Jahre gekommenen VHS-Rekorder ersetzte, kann nur HD, nicht aber HD+, zu dem mich diverse GEZ-freie Sendeanstalten verleiten wollen. Angesichts der Nötigung, die Werbung dann nicht mehr überspringen zu können, widerstehe ich noch. Nicht einmal die Liga der europäischen Fußballmeister, Zweit-, Dritt, und Viert- und bald vielleicht auch Fünftplatzierten kann mich umstimmen.
Doch meine Chancen stehen schlecht. Nur wenige Filme der neuen Art sind in den Kinos, das klassische Fernsehen rechnet die meisten Sendungen noch auf die neue Pixel-Zahl hoch, da will ein seit Jahren erfolgloser Sender mit einem Spezialkanal die dritte Dimension in heimischen Fernsehsesseln erobern. Ich fürchte, alle werden sie folgen, wie die Lemminge dem neuen Trend hinterher jagen. Also doch wieder ein neuer Fernseher? 1500 Euro für 12 Zoll und ein Bild wie bei der Übertragung von der Mondlandung? Und eine neue Brille?
Nein. Da lege ich doch mal – nur so zur Entspannung - die schwarze Scheibe aus längst vergangenen Zeiten auf den uralten Plattenteller, schaue auf das bunte, zweidimensionale Cover von Sergeant Pepper`s und lausche der vieldimensionalen Musik von Lennon und Co. Gleich kommt der Titel, den ich ein wenig mehr mag als die anderen: „When I get older, loosing my hair, many years from now …”
Und meine Brille liegt neben mir auf dem Tisch.
Die 3D-Brille habe ich übrigens aufgehoben. Aber ich glaube nicht, dass ich sie noch mal brauche. Die Fernseh-Hersteller basteln eh’ alle ihre eigenen Formate. Und ins Kino geh’ ich sowieso kaum noch. Ist mir zu laut. Ich träume lieber. Imagine.
22.10.2010
Hintergrund
Viel Kohle ohne Risiko
Der Trojaner legte weltweit Computer lahm. Angeblich sollten die Nutzer pornografisches Material oder illegal Musik oder Videos aus dem Netz herunter geladen haben, erklärte die Mail mit dem Signum von Polizeibehörden aus aller Welt. 100 Euro sollte man zahlen, dann würde der Computer wieder frei geschaltet. Drei von 100 Betroffenen zahlten. Es hat ihnen nichts genützt, berichtet Gerald Hesztera von der europäischen Polizeibehörde Europol am Donnerstag auf einer Fachtagung in Erfurt. Sie sind Cyberkriminellen aufgesessen.
Termine in Thüringen
15.06.2013 - „Tag der Offenen Tür“ bei PIKO am 15. Juni 2013 »
Frosts Kolumne
Kreditwürdig
In Amerika, also in den Vereinigten Staaten von Amerika, werde man erst ernst genommen, wenn man Schulden hat. Dann bekomme man einen Mietvertrag für eine Wohnung günstiger, las ich in einem Magazin. Auch eine Kreditkarte sei kein Problem. Ohne Schulden aber wäre man sozusagen die Ausnahme, asozial gewissermaßen. Dann gäbe es keine Kreditkarte und die Miete wäre um einiges höher.
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