Theaterdonner
Ich weiß die Antwort nicht. Ich glaube, niemand weiß die Antwort. Aber was ist eigentlich die Frage? Die Frage ist nicht: Wie viele Theater und Orchester wollen wir behalten.
Ich kann jeden verstehen, der sagt, unser Theater, unser Orchester, unser Ballett ist das beste, das wichtigste. Es muss bleiben. Wir sind zu Recht stolz auf die Vielfalt unserer Theaterlandschaft. Und ich verstehe, dass so viele Menschen sie erhalten wollen. Ich doch auch!
Nur: Vielfalt kostet Geld. Viel Geld. Aber wer soll die Vielfalt bezahlen? Ich kann es nicht, Die Kommunen können es nicht. Der Staat kann es auch nicht. Wir haben das Geld nicht, um all die Theater landauf, landab zu finanzieren. Das Geld dafür ist nicht da. Darüber kann man jammern, aber ändern wird das Jammern nichts. Das Geld ist nicht da. Punkt. Schluss. Aus!
Also: Was sollen wir tun?
Wenn wir die Vielfalt nicht bezahlen können. müssen wir uns konzentrieren. Wir können uns all die Theater und Orchester in Thüringen nicht leisten. Wir müssen einige schließen. Ob uns das gefällt oder nicht. Wir müssen es tun. Ist das schlecht? Ja das ist es. Weil wir unendlich viel verlieren.
Aber wenn wir nur auf den Verlust schauen, dann irren wir. Wir liegen falsch, wenn wir die Zahl der Theater und Orchester daran messen, was Thüringen einmal gebraucht und vorangebracht hat. Tradition muss man bewahren. Gewiss. Aber kann man das tun, wenn man die Vergangenheit konserviert?
Nein. Man muss sich der Tradition bewusst sein. Muss sie fortschreiben. Tradition fortzuschreiben, heißt aber, sie zu verändern, heißt, sie an die Gegenwart anzupassen, an unsere Bedürfnisse. Man nennt das Fortschritt.
Warum sperren wir uns gegen die Schließung von Theatern und Orchestern? Da ließen sich viele, ließen sich tausende gute Gründe finden. Jedoch ist unsere Gesellschaft eine andere als die, die es zur Zeit der Gründung all dieser Theater und Orchester gegeben hat. Unsere Gesellschaft ist eine moderne, mobile, informierte, interessierte, aber auch eine alternde, kleiner werdende Gesellschaft. Unsere Gesellschaft von heute kennt die Grenzen der Stadtstaaten nicht mehr. Ihre Mitglieder sind nicht mehr auf den Ort des Wohnens fixiert. Ein jeder von uns hat den Arbeitsort nicht mehr zwingend vor der Haustür. Die meisten von uns haben ein Auto, haben Fernsehen, Internet, CD und was es an Modernitäten noch alles geben mag.
Ja, wir brauchen das Theater, weil es ein Teil unserer Gesellschaft ist, ein Teil unseres Seins, unserer Kultur, unserer Tradition. Aber wir brauchen es nicht mehr als ersten, alleinigen Hort und Ort unserer Bildung und Unterhaltung, der es einmal war.
Lasst uns also sagen: Wir brauchen Theater und Orchester unbedingt. Aber wir brauchen, wir wollen, ja wir verlangen gutes, bestes Theater und Orchester und Ballett, das für uns machbar und erreichbar ist. Und das – als Haus und als Ticket - für uns, für jedermann, auch bezahlbar ist. Dafür wollen wir alles geben.
Ich weiß die Antwort nicht. Wirklich? In Wahrheit weiß ich die Antwort. Wir alle wissen sie. Wir wagen nur nicht, sie auszusprechen. Weil wir nicht entscheiden wollen, welche Theater wir schließen sollen. Aber wir kommen um diese Entscheidung nicht herum! Diese Entscheidung müssen wir treffen. Jetzt. Gemeinsam. Damit wir von der Vergangenheit in die Zukunft gehen können. Damit wir Traditionen fortschreiben können. Damit wir das Beste, was wir haben, erhalten können.
18.11.2010
Hintergrund
Viel Kohle ohne Risiko
Der Trojaner legte weltweit Computer lahm. Angeblich sollten die Nutzer pornografisches Material oder illegal Musik oder Videos aus dem Netz herunter geladen haben, erklärte die Mail mit dem Signum von Polizeibehörden aus aller Welt. 100 Euro sollte man zahlen, dann würde der Computer wieder frei geschaltet. Drei von 100 Betroffenen zahlten. Es hat ihnen nichts genützt, berichtet Gerald Hesztera von der europäischen Polizeibehörde Europol am Donnerstag auf einer Fachtagung in Erfurt. Sie sind Cyberkriminellen aufgesessen.
Termine in Thüringen
15.06.2013 - „Tag der Offenen Tür“ bei PIKO am 15. Juni 2013 »
Frosts Kolumne
Kreditwürdig
In Amerika, also in den Vereinigten Staaten von Amerika, werde man erst ernst genommen, wenn man Schulden hat. Dann bekomme man einen Mietvertrag für eine Wohnung günstiger, las ich in einem Magazin. Auch eine Kreditkarte sei kein Problem. Ohne Schulden aber wäre man sozusagen die Ausnahme, asozial gewissermaßen. Dann gäbe es keine Kreditkarte und die Miete wäre um einiges höher.
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