Ein Dreiklang der besonderen Art

Die Skulptur "Levity" der Amsterdamer Künstlerin Lotta Blokker vor dem Panorama Museum in Bad Frankenhausen (Fotos: Uwe Frost)

Museumsdirektor Gerd Lindner

Detail aus Werner Tübkes Monumentalgemälde

Wintermorgen bei Bad Frankenhausen
Die winterliche Landschaft rund um das Panorama Museum Bad Frankenhausen mit ihren scharz-weißen Tönen mutet wie eine Radierung an. Sie findet ihr Pendant im Inneren des Museums in der gerade eröffneten Sonderausstellung des italienischen Grafikers Livio Ceschin. Zum ersten Mal widmet ein deutsches Museum dem 1962 geborenen Künstler eine Werkschau. Landschaften dominieren, die so einsam wie schön sind wie das weite Land, auf das man vom Frankenhäuser Schlachtberg an einem dunstverhangenen Wintermorgen schaut.
Die Ausstellung mit rund 100 Arbeiten des weithin unbekannten Künstlers setzt den Schlusspunkt unter ein erfolgreiches Ausstellungsjahr, zieht Museumsdirektor Gerd Lindner Bilanz. Rund 81.000 Gäste kamen in den Rundbau auf dem Schlachtberg. Das waren etwa so viele wie 2008. Das vergangene Jahr mit 90.000 Besuchern klammert Lindner aus: Die überdurchschnittliche Zahl an Besuchern 2009 führt er auf die Jubiläumsschau anlässlich des 20. Geburtstags des Museums zurück, in dessen Mittelpunkt Werner Tübkes Monumentalbild über den Bauernkrieg steht.
64 Ausstellungen hat Lindern seit 1992 zusammengestellt. Doch Tübkes Werk bleibt immer noch der Hauptanziehungspunkt des Panorama Museums, das auf einem der Schlachtfelder der frühbürgerlichen Revolution von 1525 steht. Das 14 Meter hohe und 123 Meter lange Rundbild, zwischen 1983 und 1987 entstanden, illustriert und interpretiert das historische Geschehen. Und vor allem wegen dieses Bildes kommen die meisten Gäste nach Bad Frankenhausen.
Das lasse sich schon daran ablesen, dass ein Großteil des Publikums aus dem mitteldeutschen Umland und vor allem aus dem Raum Leipzig – der künstlerischen Heimat Tübkes – kommt, sagt Lindner. Es sei kein Zufall, dass vor allem die Freunde der Leipziger Schule, die Tübke maßgeblich mit geprägt hat, auch Gefallen an den Ausstellungen im Panorama Museum finden.
Deshalb sucht Lindner bei all seinen Projekten, gleichsam ein unsichtbares Band zu Tübke und seinem Werk zu knüpfen. Bei Ceschin ist es wie bei Tübke die Rückbesinnung auf Vergangenes und die Suche nach der Bedeutung für das Jetzt. Ähnliche Beziehungen lassen sich auch bei den Ausstellungsprojekten für 2011 finden, einem Dreiklang besonderer Art, wie Lindner es formuliert.
Im Anschluss an die Mitte Februar schließende Ceschin-Schau präsentiert Lindner seinem Publikum schwere Kost: Malerei des überaus scheuen norwegischen Malers Odd Nerdrum, der noch nie in Deutschland ausgestellt hat. Lindner hält ihn für einen der bedeutendsten zeitgenössischen figürlichen Maler, der mit seinen großformatigen, fast barock anmutenden, gleichwohl verstörenden Werken an alten Meistern ebenso anknüpft wie an der Mythologie nordischer Kulturen - und mit seinen Interpretationen Konventionen in Kunst und Gesellschaft in Frage stellt.
Daran schließt sich im Sommer eine Schau mit Arbeiten von zehn spanischen Künstlern an, die Lindner unter dem Stichwort „Magischer Realismus“ vereint. Sie alle hätten als große Individualisten die spanische Malerei des vergangenen Jahrhunderts geprägt. Den Schlusspunkt unter das neue Ausstellungsjahr setzt der Berliner Grafiker Walter Herzog, den Lindern als romantischen Realisten und Pendant zu dem italienischen Grafiker Ceschin sieht.
Im zurückliegenden Jahr ging auch ein lang gehegter Traum Linders in Erfüllung: Die Umgestaltung des Vorplatzes des Museums. Mehrere Jahre dauerte das Projekt, für die Lindner die 1980 geborene Amsterdamer Künstlerin Lotta Blokker gewann. Vier Bronzeskulpturen, die in ihrer Haltung an Auguste Rodin anknüpfen, fertigte sie für das Areal vor dem Museumseingang. „Wir wollten Figuren haben, die nicht versuchen wie Tübke zu sein, die aber wie er den Menschen in den Mittelpunkt stellen“, sagte Lindner. Diese Vision sei in Erfüllung gegangen.
23.12.2010
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