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Kommen die alten Kennzeichen wieder?


Prof. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn (Foto: Uwe Frost)

Prof. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn (Foto: Uwe Frost)

Mitte der 90er Jahre wurden sie abgeschafft: Wegen der Gebietsreform mussten 21 Städte in Thüringen auf die Autokennzeichen verzichten, die erst fünf Jahre zuvor nach der Wende eingeführt worden waren. Der teilweise massive Widerstand der Bevölkerung änderte nichts daran, dass neue Autos nicht mehr die alten Kennzeichen erhalten konnten. Das könnte sich nun – 15 Jahre später – bald ändern. Sieben der betroffenen Städte haben die Wiedereinführung der alten Kennzeichen beantragt.

Eine Studie der Hochschule Heilbronn gibt dafür gute Argumente. Selbst Verkehrsminister Christian Carius hält die Chancen auf Erfolg für sehr hoch.

Internetumfrage mit deutlichem Votum

Schon eine im vergangenen Jahr vom Thüringer Verkehrsministerium durchgeführte Internetumfrage ergab, dass immerhin fast jeder vierte die alten Kennzeichen wieder haben wollten. Knapp 33 Prozent wollten bei den jetzigen ortsgebundenen Kfz-Kennzeichen bleiben. Für ein neutrales, ortsunabhängiges Kfz-Kennzeichen plädierten etwas mehr als 28 Prozent.

Umfrage in fünf Bundesländern

Heilbronner Wissenschaftler haben nun in einer Studie untersucht, welche Bedeutung Kfz-Kennzeichen für das Marketing der jeweiligen Städte haben. Sie befragten dazu in 80 deutschen Städten in fünf Bundesländern rund 17.000 Menschen. In Thüringen wurden rund 2000 Einwohner in Mühlhausen, Rudolstadt, Meiningen, Bad Langensalza, Zeulenroda –Triebes, Schmölln und Bad Lobenstein befragt. „Eine klare Mehrheit von über 70 Prozent der befragten Thüringer in sieben Städten befürwortet die Wiedereinführung ihrer KFZ-Kennzeichen aus den 90er Jahren“, sagte Professor Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn. Nur 14 Prozent waren dagegen.

Gute Chancen

Nach der Gebietsreform Ende 1994 durften in 21 Thüringer Städten die Kennzeichen mit den damals gültigen Buchenstabenkombinationen für die Städte nicht mehr neu vergeben werden. So bekamen die Arnstädter, die sich ein neues Auto kauften, statt des ARN für Arnstadt nun das IK für den Ilm-Kreis aufs Kennzeichen geprägt. Die Rudolstädter (RU) mussten sich mit SLF für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt abfinden. Und die Mühlhäuser (MHL) hatten das UH für den Unstrut-Hainich-Kreis auf ihren Kennzeichen stehen. Das könnte sich bald ändern, denn die Chancen für die Wiedereinführung der alten Kennzeichen stehen gut, meint Carius.

Das Hanauer Modell

Vorbild für die Änderungen könnte das so genannte Hanauer Modell sein. Danach können in einem Landkreis mehrere Kennzeichen gültig sein. In jeder Zulassungsstelle des Landkreises kann jedes Kennzeichen ausgegeben werden. Damit entstehen keine zusätzlichen Kosten bei der Wiedereinführung der alten Kennzeichen.

Umfrage unter Kommunen

Damit die alten Kennzeichen wieder eingeführt werden können, ist aber eine Änderung der Fahrzeug-Zulassungsordnung des Bundes erforderlich. Von Vorteil wäre es nach Einschätzung von Carius, wenn das im Paket geschähe, am besten zusammen auch mit anderen Ländern, in denen es ähnliche Bestrebungen gibt oder wo – wie in Mecklenburg-Vorpommern ohnehin Änderungen wegen einer Kreisgebietsreform absehbar sind. Carius hat deshalb den Thüringer Gemeinde- und Städtebund um eine Stellungnahme gebeten um zu klären, welche Thüringer Städte außer Mühlhausen, Rudolstadt, Artern, Stadtroda, Bad Langensalza, Meiningen und Schleiz noch die alten Kennzeichen wieder haben wollen.

20.01.2011