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Spektakel an der ICE-Trasse


Schaulustige warten auf die Sprengung der Grümpentalbrücke (Fotos: Uwe Frost)

Schaulustige warten auf die Sprengung der Grümpentalbrücke (Fotos: Uwe Frost)


Die Pfeiler wurden freigelegt und für die Sprengung vorbereitet

Die Pfeiler wurden freigelegt und für die Sprengung vorbereitet


Der erste Pfeiler fällt

Der erste Pfeiler fällt


Die Arbeit ist getan. Alle acht Pfeiler wurden gesprengt.

Die Arbeit ist getan. Alle acht Pfeiler wurden gesprengt.

Das Spektakel wollten sie sich nicht entgehen lassen: Trotz des trüben und kalten Novemberwetters kamen hunderte Schaulustige am Montag nach Südthüringen, um einen weiteren Meilenstein beim Bau der ICE-Trasse zwischen Erfurt und Nürnberg zu verfolgen. Südlich der Ortschaft Grümpen - zwischen Eisfeld und Sonneberg gelegen - wurden die Hilfsstützen unter dem Bogen der Grümpentalprücke weggesprengt.

Kurz nach 12.00 Uhr fiel als erstes einer der beiden höchsten Stützpfeiler. Im Abstand weniger Sekunden sanken auch die anderen sieben Pfeiler nach dem ohrenbetäubenden Knall der Sprengungen, umgeben von einer immer dichter werdenden Staubwolke, zu Boden. Nach nicht einmal einer Minute war alles vorbei. Frei überspannte der Bogen der Brücke das Tal.  

Eine der größten Brücken

Die Grümpentalbrücke in Thüringen hat zusammen mit der Talbrücke Froschgrundsee in Oberfranken die Rekordspannweite für Eisenbahn-Betonbogenbrücken aufzuweisen. Sie ist 1104 Meter lang. Ein 270 Meter weiter Bogen überspannt frei das Tal in 70 Metern Höhe. Bis zu 60 Meter hohe Stützen

Um den Bogen zu errichten, wurden bei der Grümpentalbrücke 8 Hilfsstützen mit Höhen von 20 bis 60 Metern errichtet. Dafür waren 1800 Kubikmetern Beton und 150 Tonnen Stahl nötig. Sie galt es nun wieder zu entfernen. Dazu wurden – ähnlich wie beim Fällen eines Baumes - zunächst quer durchgehende Keile auf Höhe der Bruchstelle unmittelbar über dem Boden und quer zur Stütze mit der Öffnung in Fallrichtung herausgeschnitten. In dem verbleibenden Steg wurden Sprenglöcher gebohrt, in die jeweils 100 Gramm Sprengstoff eingebracht wurden. Insgesamt waren 1000 Bohrlöcher notwendig.

Unterschiedliche Fallrichtung.

Nachdem auch die Bewehrungseisen durchtrennt wurden, stand der Sprengung nichts mehr im Wege. Eine nach der anderen wurden die Stützsäulen gesprengt und fielen in die jeweils vorausbestimmte Richtung. Jetzt müssen die am Boden liegenden Säulen zerkleinert und das Material zum Recyclen abtransportiert werden.

Bau dauert an

Die Bauarbeiten sowohl an der Brücke als auch an der gesamten ICE-Neubaustrecke gehen nun weiter. An der Brücke fehlen noch einige Elemente, bis sie das Tal in Gänze überspannt. Bis Weihnachten soll dieser Teil erledigt sein.

Doch bis die ersten ICE über die Brücke rollen, werden noch ein paar Jahre vergehen. 2017 soll die 107 Kilometer lange Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt in Betrieb genommen. Sie besteht vor allem aus einer langen Kette aufeinander folgender großer Ingenieurbauwerke von 29 Brücken und 22 Tunneln. 13 von 35 Talbrücken der Neubaustrecken sind nach Angaben der Deutschen Bahn im Rohbau fertig gestellt, die anderen in teils weit fortgeschrittenem Baustadium.

Das Gesamtprojekt umfasst die 500 Kilometer lange Aus- und Neubaustrecke zwischen Nürnberg, Erfur, –Leipzig/Halle und Berlin. Finanziert wird es vom Bund, der Europäischen Union und der Bahn. Die Investition beträgt etwa 10 Milliarden Euro.

08.11.2010