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Überlange Lkw in Thüringen bereits getestet

Überlange Lkw sind in Thüringen bereits getestet worden. Bei dem Versuch setzte ein ostthüringer Spediteur zwischen März 2008 und Ende 2009 eine 25 Meter lange Kombination aus Lastzug und Anhänger auf einer 105 Kilometer langen Strecke zwischen Hermsdorf und Ohrdruf ein. Die Fachhochschule Erfurt begleitete das vom Thüringer Verkehrsministerium initiierte Experiment mit einer Studie.  Die Wissenschaftler erteilten den umstrittenen überlangen Lastzug-Kombinationen gute Noten. Die so genannten 40t-EuroCombi oder Longer Combination Vehicles (LCV) seien eine echte Alternative, die Zeit und Geld spare und die Umwelt ebenso schone wie die Straßen.

50 Prozent mehr Ladevolumen

Der in Thüringen eingesetzte EuroCombi ist eine Kombination aus einem dreiachsigen Motorwagen, an den mittels einer drehbaren Untersetz- oder Dollyachse ein Sattelanhänger angekuppelt wird. Bei unverändertem Gesamtgewicht von 40 Tonnen bietet er ein um etwa. 50 Prozent vergrößertes Ladevolumen. Dadurch wurde es nach Angaben der Fachhochschule möglich, zwischen Hermsdorf und Ohrdruf (je ca. 105 km) täglich fast zwei Touren eines konventionellen Sattelkraftfahrzeugs einzusparen.

Ressourcenschonender Einsatz

Enorme Einsparpotenziale bieten sich laut Studie für die Verkehrs- und Umweltbelastung. Pro Jahr konnten auf der weigehend über die Autobahn führenden Strecke 395 Touren oder 82.700 Kilometer Fahrstrecke (ca. 35 Prozent) sowie 12.000 Liter Dieselkraftstoff und damit etwa 32 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß  (ca. 18 Prozent) eingespart werden. Stickoxid- und Partikelemissionen seien ebenso deutlich zurückgegangen. Auch wirtschaftlich rechne sich der EuroCombi: Die prozentuale Betriebskostenersparnis betrug ca. 18 Prozent bei Kraftstoff, ca. 35 Prozent bei der Maut und knapp 30 Prozent bei den Abschreibungskosten. Je nach Höhe der Löhne des Fahrpersonals ergebesich eine mittlere Gesamtkostenersparnis von ca. 25 Prozent.

Keine Gefährdung der Verkehrssicherheit

In Sachen Verkehrssicherheit geben die Wissenschaftler Entwarnung. Kurvenfahrten selbst in Kreisverkehren stellten wegen der lenkbaren Aufliegerachse für den EuroCombi kein Problem dar, er lasse sich besser lenken als ein Sattelkraftfahrzeug. Der in der Straßenverkehrszulassungsordnung vorgeschriebene so genannte BO-Kraftkreis werde eingehalten.

Von den zuständigen Polizeidirektionen Jena und Gotha seien in Verbindung mit dem Pilotprojekt „weder Behinderungen, Fehlverhalten, Ordnungswidrigkeiten oder Verkehrsunfälle“ ermittelt worden. Auch für die Straßen sei der EuroCombi eine Entlastung. So seien die genehmigten Achslasten von 7,1 Tonnen Vorderachse und 18,6 Tonnen Hinterachse der Zugmaschine sowie fünf Mal je 8 Tonnen des Sattelaufliegers im Projekt deutlich unterschritten worden. Die Zugmaschine habe es auf 5,6  und 11,8 Tonnen, der Sattelauflieger auf 4,2 bis 5 Tonnen gebracht.

05.10.2010