Weniger Straftaten, hohe Aufklärungsquote
138.049 Straftaten hat die Thüringer Polizei im vergangenen Jahr erfasst. Das ist der niedrigste Wert seit 1993, sagte Innenminister Jörg Geibert am Dienstag in Erfurt. Gleichzeitig übertrifft die Aufklärungsquote mit 65,3 Prozent wiederum das Niveau des Vorjahres (65,1 Prozent).
Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Straftat zu werden, liegt in Thüringen unter dem Bundesdurchschnitt. In Thüringen kamen im vergangenen Jahr 6136 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Für ganz Deutschland lag der Durchschnitt 2009 – aktueller Zahlen liegen noch nicht vor – bei 7383.
Zehn Morde
Straftaten gegen das Leben gingen um 19,3 Prozent auf 71 Fälle zurück. Dies ist vor allem auf den Rückgang bei den Mordfällen von 19 im Jahr 2009 auf 10 im Jahr 2010 zurückzuführen. In den Deliktbereichen Totschlag und Tötung auf Verlangen wurden im Jahr 2010 43 Fälle registriert und damit neun weniger als im Jahr zuvor.
Rückgang auch bei Sexualstraftaten
Als wichtig wertete der Minister die rückläufige Entwicklung bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Deren Anzahl sank im letzten Jahr um 206 auf 1238 Fälle
(-14,3 Prozent). Wesentlich bestimmt werde dies von niedrigeren Fallzahlen
(-210 Fälle) bei der Verbreitung pornographischer Schriften (2009: 463 Fälle; 2010: 253 Fälle) und durch geringere Fallzahlen bei Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen (2009: 167 Fälle; 2010: 147 Fälle). Einen Anstieg um 58 Fälle habe es jedoch bei sexuellen Missbrauchshandlungen gegeben (2009: 536 Fälle; 2010: 594 Fälle).
Wieder mehr Gewaltkriminalität
Kritisch bewertete der Minister die Entwicklung bei den Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Derartige Straftaten hätten nach einem Rückgang um 3,2 Prozent im Vorjahr (-660 Fälle) im Jahr 2010 um +740 Fälle (+3,7 Prozent) wieder deutlich zugenommen. Es seien insgesamt 20.568 Fälle in diesem Bereich registriert worden. Ursächlich dafür sei ein Plus von 30 Fällen im Bereich Raub, räuberische Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer. Hinzu kämen 13 Raubüberfälle auf Spielhallen (2009: 2 Fälle). Als Hintergrund dazu erläuterte der Minister, dass es der Polizei gelungen sei, im Jahr 2010 eine in vier Polizeidirektionsbereichen handelnde Tätergruppe zu ermitteln und ihr die Überfälle in den Jahren 2009 und 2010 nachzuweisen.
Hinzu komme, dass auch die Körperverletzungsdelikte um 482 Fälle zugenommen haben (2009: 13.708 Fälle, 2010: 14.190 Fälle). Dieser Anstieg könne hauptsächlich durch die Anzahl der registrierten vorsätzlichen leichten Körperverletzungen (+313 Fälle) erklärt werden (2009: 9842 Fälle; 2010: 10.155 Fälle), so der Minister. Auch würden die Straftaten gegen die persönliche Freiheit mit insgesamt 5636 Delikten um 4,2 Prozent (+228 Fälle) über dem Niveau des Vorjahres liegen. Ansteigend sind dabei die Fallzahlen der Freiheitsberaubung (+16 Fälle; + 13,8 Prozent), der Nötigung (+150 Fälle; + 10,8 Prozent) und der Bedrohung (+108 Fälle; +3,8 Prozent).
Trend: Weniger Diebstähle
Eine positive Entwicklung gab es bei den Diebstahlsdelikten. „Hier setzt sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre fort“, betonte Geibert. Sowohl beim einfachen Diebstahl (- 2,0 Prozent) als auch beim schweren Diebstahl (-1,2 Prozent) können erneut geringere Fallzahlen als im Vorjahr zu verzeichnet werden. Rückläufig sind beim einfachen Diebstahl insbesondere der Ladendiebstahl (2009: 9406 Fälle; 2010: 9034 Fälle) und der einfache Diebstahl von Motorrädern (-41 Fälle; -18,5 Prozent) und von Fahrrädern (-155 Fälle; -14,3 Prozent).
Im Bereich des schweren Diebstahls erklärt sich der Rückgang der Fallzahlen insbesondere durch weniger Fälle des besonders schweren Falls des Diebstahls von Motorrädern (-94 Fälle; -18,0 Prozent), von Antiquitäten, Kunst- und sakralen Gegenständen (-79 Fälle; -87,8 Prozent), in/aus Warenhäusern, Verkaufsräumen, Selbstbedienungsläden (-113 Fälle; -17,6 Prozent) und in/aus Kraftfahrzeugen (-287 Fälle; -10,9 Prozent).
Hochwertige Autos im Fokus
Deutliche Zunahmen seien hingegen beim schwereren Diebstahl von Kraftwagen (+107 Fälle; +21,3 Prozent), beim schweren Diebstahl von/aus Automaten (+92 Fälle; +20,7 Prozent) und beim schweren Diebstahl in/aus Boden-, Kellerräumen (+158 Fälle; +13,4 Prozent) zu verzeichnen gewesen. Der Minister verwiese darauf, dass steigende Fallzahlen beim Diebstahl von Kraftfahrzeugen bundesweit zu beobachten seien. Es würden überwiegend hochwertige Fahrzeuge der Marken Audi, VW und BMW gestohlen. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der überwiegende Teil der gestohlenen Fahrzeuge in das osteuropäische Ausland verschoben werde.
Einbruchsserie in Erfurt
Die Fallzahlen des Tageswohnungseinbruchs folgen nach der Kriminalstatistik weiter dem seit 2007 rückläufigen Trend, erklärte der Minister (2009: 78 Fälle; 2010: 55 Fälle). Allerdings werde derzeit ein größerer Komplex von Einbrüchen in Einfamilienhäuser in Erfurt bearbeitet, zu dem auch Fälle aus dem Jahr 2010 gehörten. Diese würden erst nach Abschluss der Ermittlungen in die Statistik einfließen.
Mehr Fälschung und Betrug
Die Vermögens- und Fälschungsdelikte verzeichnen mit 30.561 erfassten Fällen gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um +1206 Fälle. „Die höheren Fallzahlen ergeben sich unter anderem aus dem Waren- und Warenkreditbetrug (2009: 5038 Fälle; 2010: 6004 Fälle), aus dem Beteiligungs- und Kapitalanlagenbetrug (2009: 36 Fälle; 2010: 192 Fälle), aus dem Geldkreditbetrug (2009: 109 Fälle; 2010: 161 Fälle), aus dem Kreditvermittlungsbetrug (2009: 22 Fälle; 2010: 406 Fälle) und aus dem Leistungsbetrug (2009: 376 Fälle; 2010: 514 Fälle)“, berichtete Geibert. Im Jahr 2010 seien zudem 735 Fälle des Computerbetrugs erfasst (2009: 613 Fälle) worden.
Geibert warnte deutlich vor den Gefahren des Skimmings und des Phishings. Beim Ausspähen und Abfangen von Daten am Geldautomaten oder am Computer habe es im letzen Jahr eine Zunahme um 140 auf insgesamt 345 Fälle gegeben.
Straßenkriminalität geht zurück
Als wichtig bezeichnete es der Minister, dass auch die Straßenkriminalität weiterhin rückläufig sei. 2010 wurden 1376 Fälle weniger registriert als noch 2009 (2008: 23.563 Fälle; 2009:22.270 Fälle; 2010: 20.894 Fälle).
Fahndungsdruck auf Rauschgiftszene
Dass die Rauschgiftkriminalität im Berichtszeitraum erstmals seit 2005 wieder eine höhere Fallzahl als im Vorjahr aufweist (2008: 5.586 Fälle; 2009: 5.579; 2010: 6.810 Fälle), führte der Minister auf die deutlich Steigerung der polizeilichen Kontrolltätigkeit zurück. Er lobte dabei ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Zoll. Der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift sei es im letzten Jahr gelungen, über 404 Kilogramm Khat sicherzustellen.
22.03.2011
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