Zum Geburtstag ein Auto – Opel Eisenach erhält Zuschlag für neuen Kleinwagen

Im Opel-Werk Eisenach wird ab 2013 ein neuer Kleinwagen produziert (Foto: Uwe Frost)

Zur Zeit werden in Eisenach ausschließlich Corsa-Modelle montiert (Foto: Uwe Frost)
Vor genau 18 Jahren begann in Eisenach eine neue Ära des Automobilbaus. Am 23. September 1992 rollte in dem für eine Milliarde D-Mark gebauten Werk das erste Opel-Fahrzeug vom Typ Astra vom Band. Zur Volljährigkeit schenkte Opel-Chef Nick Reilly den 1600 Opelanern ein Auto. Das Werk am Fuße der Wartburg erhalte den Zuschlag für die Fertigung des geplanten Kleinwagens mit dem Arbeitstitel Junior. 100.000 Fahrzeuge dieses Typs sollen – zusätzlich zum Corsa – pro Jahr gebaut werden. Produktionsbeginn ist Anfang 2013.
Es war lange spekuliert worden, wer den Zuschlag erhält. Im Rennen war auch das Werk im spanischen Saragossa, wo ebenfalls der Corsa montiert wird. Doch nun fiel die Entscheidung für Eisenach.
Qualität sprach für Eisenach
Der entscheidende Faktor sei die Qualität, sagte Reilly. Die Belegschaft in Eisenach sei ausgezeichnet qualifiziert und hoch motiviert dazu. „Sie produziert Fahrzeuge in bester Qualität. Das sind sehr gute Voraussetzungen für die Fertigung unseres neuen Kleinwagens“, erklärte der Opel-Chef.
200 Millionen für Entwicklung und Produktion
Opel lässt sich die Entwicklung des neuen Kleinwagens einiges kosten. Insgesamt 200 Millionen Euro will das Unternehmen in die Entwicklung des Fahrzeugs und die Vorbereitung der Produktion investieren. Allein 90 Millionen Euro werden verwendet, um die Anlagen in Eisenach umzurüsten oder zu modernisieren, sagt der Eisenacher Chef Michael Lewald.
Modernes Auto
Das neue Fahrzeug wird kleiner als der Corsa sein, aber modern und anspruchsvoll. Konzipiert ist es für sparsame Verbrennungsmotoren. Doch Reilly hält auch eine ausschließlich elektrisch betriebene Variante für möglich. Er ist sich sicher, dass es viele Kunden für dieses Fahrzeug geben wird, die weder beim Design, noch beim Komfort oder der technischen Ausstattung Kompromisse eingehen wollen. Ein Billigauto werde das neue Fahrzeug also nicht, lässt Reilly durchblicken. Auch der Name steht noch nicht fest. Der Arbeitstitel Junior werde es aber gewiss nicht sein.
Verlagerung nach Saragossa
Opel will Eisenach und Saragossa offenbar als Standorte für Kleinwagen fitmachen. Für das neue Auto muss das Eisenacher Werk aber einen Teil der Corsa-Fertigung nach Spanien abgeben. In welchem Umfang, macht Reilly vom Markt abhängig. Gemeint ist damit der Erfolg des neuen Kleinwagens. Auf jeden Fall sollen die Eisenacher Kapazitäten nach Möglichkeit voll ausgelastet werden. Selbst eine Kapazitätserweiterung und damit neue Arbeitsplätze hält Reilly für möglich. Doch das ist Zukunftsmusik, denn noch nie in seiner 18-jährigen Geschichte hat die Montagefabrik die Kapazitätsgrenze von 190.000 Fahrzeugen pro Jahr erreicht. Am nächsten kam man dem 2007 mit fast 182.000 Fahrzeugen. Immerhin: Seit 1992 wurden in Eisenach rund 2,5 Millionen Fahrzeuge montiert.
Diversifizierung sichert Standort
Genau dort lag auch eine Schwäche des Eisenacher Werkes. Bis auf die Jahre 1998 bis 2003, als Astra und Corsa parallel gebaut wurden – war das Eisenacher Werk immer von nur einem Typ abhängig und damit auch krisenanfällig. Das bekamen die Eisenacher Opelaner in der jüngsten Krise wieder zu spüren. Mit der Investitionsentscheidung kann die Belegschaft des Opelwerkes in Eisenach nun etwas ruhiger in die Zukunft schauen, meint deshalb Betriebsratschef Harald Lieske. Dass der neue Kleinwagen ausschließlich in Eisenach gebaut wird, hält er für die beste Standortgarantie.
Chance für Zulieferer
Auch Thüringens Landespolitiker reagierten mit Erleichterung auf die lange erwartete Entscheidung. "Das ist ein guter Tag für die Region und für ganz Thüringen", sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Der Zuschlag für Eisenach werde die Arbeitsplätze in dem Werk langfristig sichern. Das sieht auch Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) so. Er erneuerte die Zusage, die Investitionen in Eisenach zu fördern.
Reilly indes meinte, es wäre besser Landesgelder dafür zu verwenden, um Zulieferer rund um Eisenach anzusiedeln. Für das neue Auto müssten Teile eigens entwickelt und hergestellt werden, die für kein anderes Auto verwendet werden könnten. Da wäre es gut, wenn man die Zulieferer in der Region fände, argumentiert er. Das würde der in Thüringen ohnehin starken Zulieferindustrie einen neuen Impuls geben. Auch die Aussicht auf den Bau eine E-Mobils in Eisenach verspricht Schwung für das Vorhaben Machnigs, den Freistaat als Standort für grüne Technologien zu profilieren.
23.09.2010
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