Kultur

Otto Dix retrospektiv in Gera


Blick in die Ausstellung „Otto Dix: retrospektiv“ in der Kunstsammlung Gera. Im Vordergrund das „Selbstbildnis mit Jan“ von 1930 (Mischtechnik auf Holz), das als Leihgabe aus dem Kunstmuseum Stuttgart kam, im Hintergrund „Neugeborener mit Nabelschnur auf Tuch“ von 1927 (Mischtechnik auf Holz), das die Otto Dix Stiftung Vaduz beisteuerte. (Foto: Stadtverwaltung)

Blick in die Ausstellung „Otto Dix: retrospektiv“ in der Kunstsammlung Gera. Im Vordergrund das „Selbstbildnis mit Jan“ von 1930 (Mischtechnik auf Holz), das als Leihgabe aus dem Kunstmuseum Stuttgart kam, im Hintergrund „Neugeborener mit Nabelschnur auf Tuch“ von 1927 (Mischtechnik auf Holz), das die Otto Dix Stiftung Vaduz beisteuerte. (Foto: Stadtverwaltung)

Mit der hochkarätigen Schau „Otto Dix: retrospektiv“ würdigt die Otto-Dix-Stadt Gera das Schaffen ihres großen Künstlersohns anlässlich seines 120. Geburtstages. Die städtische Kunstsammlung präsentiert in der Ausstellung, die am Freitag eröffnet wurde, rund 240 Werke aus allen Schaffensphasen des am 2. Dezember 1891 in Gera-Untermhaus geborenen Künstlers.

Die Exposition vereint in der Orangerie und dem Dix-Geburtshaus Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken aus der Geraer Sammlung, der Otto-Dix-Stiftung Vaduz sowie öffentlichen und privaten Sammlungen aus ganz Deutschland. Beide Häuser können mit einem Kombiticket besucht werden. Die Ausstellung ist bis zum 18. März 2012 dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen.

Inhaltliche und stilistische Breite

Die Werke der Jubiläumsausstellung ranken sich um Porträt, Eros und Tod, Krieg und Gewalt, Allegorie und Landschaft. Sie veranschaulichen die inhaltliche und stilistische Breite der Kunst des Meisters der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus. Darunter sind so bekannte wie „Meine Freundin Elis“ aus der Geraer Sammlung, das „Selbstbildnis mit Jan“ aus dem Kunstmuseum Stuttgart und das „Selbstbildnis mit Staffelei“ aus dem Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren. Gezeigt werden erstmals aber auch sieben Arbeiten, die neu in die mehr als 450 Werke umfassende Geraer Dix-Sammlung kamen. Sie stammen aus dem Besitz des Neffen Volkmar Dix, der 2009 in Gera verstarb.

Motive aus Geras Umgebung

Den Auftakt zur Schau „Otto Dix: retrospektiv“ geben frühe Landschaftsdarstellungen mit Motiven aus der Umgebung von Gera, die noch deutlich durch den Impressionismus und die Freilichtmalerei beeinflusst wurden. Erstmals sind fünf kleinformatige Ölgemälde aus dem malerischen Jugend- und Frühwerk von Dix zu sehen, die neben seiner umfangreichen zeichnerischen Erkundung auf Skizzen und Zeichenblättern nun auch eine stärkere malerische Auseinandersetzung mit seiner unmittelbaren heimatlichen Umgebung zu erkennen geben.

Spätes Schaffen

Die Geraer Ausstellung widmet sich auch dem malerischen Spätwerk. Dabei wird der Fokus nicht nur auf die Nachkriegssituation, auf Trümmer- und Ruinenbilder sowie Porträts gerichtet, sondern ebenso auf Bilder mit religiösen Motiven, die Dix wiederum in Auseinandersetzung mit der Gegenwart zu symbolischen und sinnbildhaften Gesellschaftsszenarien verdichtet hat und in denen Gewalt und das Leid des Menschen thematisiert wird. 

Eigener Teil über verschollene Werke

„Verschollenen Meisterwerken“ von Otto Dix ist ein eigener Ausstellungsteil gewidmet. Wichtige Bilder wie die „Kriegskrüppel“ (1920) oder der „Schützengraben“ (1923) wurden im Rahmen der Naziaktion „Entartete Kunst“ aus deutschen Museen entfernt und gelten bis heute als verschollen. Andere hingegen hat Dix vor dem nationalsozialistischen Zugriff retten wollen und in Kisten verpackt bei Freunden versteckt. Gerade im sicher geglaubten Versteck kam es 1950 zu einer Zerstörungsaktion. Zahlreiche der provokanten Bilder von Dix sind daher heute nur durch kleine Reproduktionen bekannt. In Zusammenarbeit mit der Otto-Dix-Stiftung Vaduz unternimmt die Kunstsammlung Gera deshalb den Versuch, einige der bedeutendsten „verschollenen Meisterwerke“ von Dix in Form einer visuellen Projektion bzw. Reproduktion in Originalgröße in den Ausstellungsbereich und somit in das Bildgedächtnis zurück zu holen und die Geschichte der Bilder auf Basis der neuesten kunsthistorischen Erkenntnisse zu rekonstruieren.

02.12.2011