Special > Kommentar (Frosts Kolumne)

Ausgebremst


Die Mehrheit wird dafür sein. So wie jeder für niedrigere Steuern ist, vor allem seine eigene, ist wohl jeder für niedrigere Benzinpreise. Also werden die meisten bei der Online-Umfrage des Verkehrsministers für die Benzinpreisbremse stimmen.

Obwohl jeder ahnt, dass diese Bremse eines nicht aufhält, den Anstieg der Benzinpreise. Warum auch. Per Gesetz lässt sich der Markt kaum regulieren, vor allem, wenn es keinen Wettbewerb gibt. Mit schöner Regelmäßigkeit murmeln die Kartellbehörden etwas von Anfangsverdacht und Preisabsprachen; Politiker heben mahnend die Stimme und den Zeigefinger. Mit ebensolcher Regelmäßigkeit weisen die Mineralölkonzerne alle Vorwürfe der Preistreiberei empört ganz weit von sich und berufen sich mit Tränen in den Augen ebenso regelmäßig auf die leider steigenden Preise auf dem Rohölmarkt.

Mal abgesehen davon, dass die Konzerne das Öl zu einem nicht unerheblichen Teil bei sich selber kaufen, weil sie auch die Förderung zu einem solchen erheblichen Teil betreiben oder kontrollieren – die Krokodilstränen nimmt ihnen angesichts der Milliardengewinne eh keiner ab. Allerorts wird gejammert, und die Preise steigen weiter.

Schaut man aber auf Deutschlands Straßen, scheint einem, hier wird auf hohem Niveau gejammert. Zum einen werden Preissprünge von 10 Cent als normal hingenommen, wo vor 20 Jahren schon 5 Pfennig mehr fast undenkbar waren – an autofreie Sonntage anno 1973 in der damaligen Ölkrise erinnert sich kaum noch ein Autofahrer. Zum anderen sind immer mehr immer größere Autos immer schneller unterwegs: 20 Liter auf 100 Kilometer? Offenbar für viele kein Problem.

Außer für die, die mit jedem Cent rechnen müssen, aber das Auto brauchen, um das Familieneinkommen zu sichern. Diesen Menschen zu raten, das Auto doch mal stehen zu lassen, ist schlicht dumm. Ihnen tut, anderes als dem SUV-Raser, jeder Cent mehr an der Zapfsäule weh. Die Benzinpreisbremse wird da nichts bremsen. Auch der wohlfeile Rat, die Preise zu vergleichen, bringt nicht viel. Auf der Suche nach der billigsten Tankstelle verbrauche ich mehr Benzin als ich an Preisdifferenz einspare.

Besser wäre ein Tempolimit auf Autobahnen. Das würde nicht nur mehr Sicherheit bringen, sondern auch den Benzinverbrauch deutlich senken und damit die Nachfrage an den Tankstellen. Das bremst die Preise vielleicht wenigstens etwas. Fürs erste.

Über zur Neige gehende Rohstoffe, eine ressourcenschonende Verkehrspolitik und neue Antriebskonzepte wäre übrigens auch noch zu reden.

23.03.2012