Panorama

Strom tanken bei einer Tasse Kaffee


Strom fürs Auto bei einer Tasse Kaffee (Fotos: Uwe Frost)

Strom fürs Auto bei einer Tasse Kaffee (Fotos: Uwe Frost)


Verkehrsminister Carius (li) und E.ON-Thüringen-Vorstand Gotzel nehmen eine Schnellladesäule in Betrieb

Verkehrsminister Carius (li) und E.ON-Thüringen-Vorstand Gotzel nehmen eine Schnellladesäule in Betrieb


Grüner Strom bei blauem Himmel

Grüner Strom bei blauem Himmel

Elektroautos sind noch rar in Deutschland. Ein Grund ist die lange Ladezeit bei relativ geringer Reichweite. Um die sechs Stunden dauert es, den Akku an einer gewöhnlichen Wechselstrom-Ladestation oder –Steckdose wieder auf volle Kapazität zu bringen. Das schränkt die Mobilität erheblich ein. Mit einer Schnellladestation, wie sie der Energieversorger E.ON Thüringer Energie am Montag an seinem Firmensitz in Erfurt in Betrieb nahm, soll sich das ändern. 25 Minuten maximal, das reicht gerade für einen Kaffee und ein Stück Kuchen.

Mit der Station können wir ein Hindernis für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen beseitigen, sagte der Vorstandsvorsitzende der E.ON Thüringer Energie, Reimund Gotzel. Thüringens Verkehrsminister Christian Carius, der als erster das Testfahrzeug seines Hauses an der Schnellladesäule einstöpselte, nennt kurze Ladezeiten „ein großes Plus bei der Elektrifizierung des Straßenverkehrs“: weil sich der Einsatzbereich von Elektroautos im Straßenverkehr erheblich erweitert.

Henne und Ei                    

Allerdings: An ein flächendeckendes Netz schnellladender Zapfsäulen etwa in Erfurt oder anderen Thüringer Städten denkt E.ON noch lange nicht. 40 E-Mobile gebe es in Erfurt; davon  sind 12 für E.ON als Testfahrzeuge unterwegs, sagt Gotzel. In Deutschland sind gerade einmal 4500 E-Fahrzeuge zugelassen. Hinzu kommen knapp 13.000 Hybridfahrzeuge.

Gleichzeitig sind – wegen der geringen Stückzahlen – die Kosten der Ladestation immens. 30.000 Euro kostet eine solche, auf Gleichstromtechnik beruhende Schnellladesäule noch und ist damit nur wenig billiger als ein Elektroauto der eher kleineren Art. „Wir können nicht die einzigen sein, die solche Säulen aufstellen“ sagt Gotzel. Andere müssten mitziehen, auch Kooperationen seien denkbar. „Wir wollen ausprobieren, was machbar ist“, sagte der E.ON-Manager. Aber ohne ein Netz von „Tank“möglichkeiten wird es wohl lange dauern, bis E-Autos in größeren Stückzahlen unterwegs sind, 1 Million sollen es nach dem Willen der Bundesregierung in acht Jahren, 2020, sein.

Solarstrom fürs E-Mobil

Dennoch, die Schnellladesäulen könnten E-Autos den Weg ebnen. Mit Gleichstrom und einer Ladeleistung von 50 Kilowatt sind sie den herkömmlichen Säulen, die es mit Wechselstrom gerade mal auf 3,5 Kilowatt bringen, überlegen. Gotzel führt ein weiteres Argument ins Feld: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Firmengebäudes lieferte dank der Löcher in der Wolkendecke just gerade die 50 Kilowatt, die die Säule an das eingestöpselte Fahrzeug weitergab.

Test verlängert

Eines der 12 E.ON-Elektromobile, die in Thüringen unterwegs sind, wird seit einem Jahr vom Verkehrsministerium und anderen Regierungsbehörden als Kurierfahrzeug testweise eingesetzt. „Unsere Erfahrungen sind sehr positiv“, sagt Carius. 15.000 Kilometer hat das E-Mobil – ein serienmäßiger Peugeot iON mit einem 35-kW-Antrieb - zurückgelegt. Der Test soll weitergehen. Carius und Gotzel unterzeichneten am Montag einen entsprechenden Vertrag für ein weiteres Jahr.

25.06.2012