Immer schneller ins Internet
„Der Hunger nach Bandbreite ist da und wird weiter steigen.“ Jürgen Schneider von der Deutschen Telekom lässt keinen Zweifel daran, dass der Ausbau des Internets eine nie endende Geschichte ist. Auf dem Breitband-Gipfel der Thüringer Landesregierung in Erfurt berichtet er, dass sein Unternehmen auf einen Technologiemix setzt: Festnetz, UMTS und LTE, wobei das Festnetz technologisch bedingt immer deutlich schneller sein wird als jedes Funknetz.
Kein Unternehmen allein aber kann den Ausbau der Versorgung stemmen, sagt Schneider. Das gilt vor allem auf dem flachen Land, wo einfach zu wenige Leute wohnen, damit sich die Investitionen lohnen. Förderprogramme hält er deshalb ebenso für erforderlich wie Stefan Reindl vom Energieversorger E.ON Thüringer Energie AG (ETE), deren Tochter Thüringer Netcom ETE-eigene Netze für die Breitband-Versorgung nutzt, und Tim Brauckmüller vom Breitbandbüro der Bundesregierung.
LTE-Ausbau geht weiter
Bisher hat die Telekom in Thüringen an 114 Standorten Sender für das Funknetz LTE 800 errichtet. Mit ihnen können 500 Gemeinden und 600.000 Einwohnern erreicht werden. 40 bis 50 weitere Stationen sollen bis Jahresende folgen. Und weil der „Hunger nach Bandbreite“ wächst, arbeitet die Telekom schon am Standard „LTE 800 Advanced“, mit dem die Bandbreite softwaremäßig erhöht werden können, ohne die bestehende Infrastruktur erneuern zu müssen.
Land unterstützt Ausbau
Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig versichert, dass das Land den Ausbau der Internetversorgung weiter unterstützen wird. Bis Ende Mai verfügten 89 Prozent aller Thüringer Haushalte und 87 aller Unternehmen über einen Breitband-Internetanschluss mit mindestens 2 Megabit Bandbreite. Das Ziel der Breitband-Offensive, bis Ende 2012 einen Versorgungsgrad von 85 Prozent zu erreichen, sei damit deutlich übertroffen worden.
Allerdings: „2 Megabit sind eine Basisversorgung, die bei weiten nicht ausreicht“, sagt Machnig. Deshalb werde das Land den Ausbau des Netzes im ländlichen Raum weiter fördern. Bis Ende 2015 will Machnig eine flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung erreichen.
Mehr Bandbreite
Dass größere Bandbreiten gebraucht werden, illustriert Machnig mit ein paar Zahlen: Täglich gibt es 1 Milliarde Suchanfragen bei Google; täglich gibt es 13,7 Millionen Bestellungen bei Amazon; und in Unternehmen mit Breitbandanschluss steigt die Produktivität allein dadurch um 30 Prozent.
Ein Bürgerprojekt
Reindl nennt den Ausbau der Internetversorgung auf dem flachen Land „ein Bürgerprojekt“. Auch sein Unternehmen könne die erforderlichen Investitionen nicht allein finanzieren. Das 100-Dörfer-Projekt, das die ETE aufgelegt habe, sei erfolgreich abgeschlossen worden. Bis Ende des Jahres sollen weitere 100 Dörfer schnellen Internetzugang erhalten.
Bundesweites Glasfasernetz
Brauckmüller verweist darauf, dass immer neue Technologien auf der Anwenderseite zum Tragen kommen. „Dafür brauchen wir die passende Infrastruktur“, sagte er. Eigentlich werde ein bundesweites Glasfasernetz gebraucht. Aber um die erforderlichen Investitionen zu tätigen, bedürfe es der Förderung. Auch habe die öffentliche Hand ja eigene Datennetze. „Die müssen genutzt werden“, sagt Brauckmüller. „Die Frage ist nicht ob, sondern wie“, fügt er hinzu.
28.06.2012
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