Wirtschaft & Politik

29.07.2010

Gute Noten für umstrittene Lkw-Riesen


Der bei einem Feldversuch eingesetzte 40-Tonnen-Longliner (Foto: Dr. Silvia Rödiger/FH Erfurt)

Erfurter Wissenschaftler haben den umstrittenen überlangen Lastzug-Kombinationen gute Boten erteilt. Die so genannten 40t-EuroCombi oder Longer Combination Vehicles (LCV) seien eine echte Alternative, die Zeit und Geld spare und die Umwelt ebenso schone wie die Straßen, konstatierten sie zum Abschluss eines fast zweijährigen Pilotprojektes.

Bei dem Versuch setzte ein ostthüringer Spediteur zwischen März 2008 und Ende 2009 eine 25 Meter lange Kombination aus Lastzug und Anhänger auf einer 105 Kilometer langen Strecke zwischen Hermsdorf und Ohrdruf ein. Die Fachhochschule Erfurt begleitete das vom Thüringer Verkehrsministerium initiierte Experiment mit einer Studie.

50 Prozent mehr Ladevolumen

Der in Thüringen eingesetzte EuroCombi ist eine Kombination aus einem dreiachsigen Motorwagen, an den mittels einer drehbaren Untersetz- oder Dollyachse ein Sattelanhänger angekuppelt wird. Bei unverändertem Gesamtgewicht von 40 Tonnen bietet er ein um etwa. 50 Prozent vergrößertes Ladevolumen. Dadurch wurde es nach Angaben der Fachhochschule möglich, zwischen Hermsdorf und Ohrdruf (je ca. 105 km) täglich fast zwei Touren eines konventionellen Sattelkraftfahrzeugs einzusparen.

Ressourcenschonender Einsatz

Enorme Einsparpotenziale bieten sich laut Studie für die Verkehrs- und Umweltbelastung. Pro Jahr konnten auf der weigehend über die Autobahn führenden Strecke 395 Touren oder 82.700 Kilometer Fahrstrecke (ca. 35 Prozent) sowie 12.000 Liter Dieselkraftstoff und damit etwa 32 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß  (ca. 18 Prozent) eingespart werden. Stickoxid- und Partikelemissionen seien ebenso deutlich zurückgegangen. Auch wirtschaftlich rechne sich der EuroCombi: Die prozentuale Betriebskostenersparnis betrug ca. 18 Prozent bei Kraftstoff, ca. 35 Prozent bei der Maut und knapp 30 Prozent bei den Abschreibungskosten. Je nach Höhe der Löhne des Fahrpersonals ergebesich eine mittlere Gesamtkostenersparnis von ca. 25 Prozent.

Keine Gefährdung der Verkehrssicherheit

In Sachen Verkehrssicherheit geben die Wissenschaftler Entwarnung. Kurvenfahrten selbst in Kreisverkehren stellten wegen der lenkbaren Aufliegerachse für den EuroCombi kein Problem dar, er lasse sich besser lenken als ein Sattelkraftfahrzeug. Der in der Straßenverkehrszulassungsordnung vorgeschriebene so genannte BO-Kraftkreis werde eingehalten.

Von den zuständigen Polizeidirektionen Jena und Gotha seien in Verbindung mit dem Pilotprojekt „…weder Behinderungen, Fehlverhalten, Ordnungswidrigkeiten oder Verkehrsunfälle…“ ermittelt worden. Auch für die Straßen sei der EuroCombi eine Entlastung. So seien die genehmigten Achslasten von 7,1 Tonnen Vorderachse und 18,6 Tonnen Hinterachse der Zugmaschine sowie fünf Mal je 8 Tonnen des Sattelaufliegers im Projekt deutlich unterschritten worden. Die Zugmaschine habe es auf 5,6  und 11,8 Tonnen, der Sattelauflieger auf 4,2 bis 5 Tonnen gebracht.

Politische Debatte geht weiter 

Der Pilotversuch ist damit - vorerst - beendet, doch die politische Debatte über den Einsatz solch langer Fahrzeuge geht weiter. Die SPD-Landtagsfraktion bleibt bei ihrem Nein zum Einsatz von Gigalinern. „An den Vorbehalten der SPD-Fraktion gegen so genannte Gigaliner hat sich nichts geändert“, sagte SPD-Verkehrspolitikerin Sabine Doht nach der Präsentation der Studie. Im Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU habe man sich zur Entwicklung des Verkehrsträgers Schiene und zur Entlastung der Straßen vom Güterverkehr bekannt. Deshalb sei vereinbart worden, in Thüringen künftig auf den Einsatz von Gigalinern zu verzichten.

Dem hielt die  Christina Tasch von der CDU-Fraktion entgegen, die Ergebnisse des Pilotversuchs seien „durchweg positiv. Deshalb sollten wir das Projekt ‚Longliner’ in Thüringen fortsetzen.“ Tasch sieht mit den Longlinern auch kein Konkurrenzprojekt zum Güterbahnverkehr. Wo es sinnvoll erscheint, müsse der Verkehr stärker auf die Schiene verlagert werden. Allerdings gebe es Gütergruppen, bei denen ein Transport per Schiene nicht sinnvoll bzw. wirtschaftlich erscheine.

Auch Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) hat sich angesichts der Ergebnisse der Studie auf die Seite der Longliner-Befürworter geschlagen. Er kündigte an, den Einsatz der überlangen Fahrzeuge auf ausgewählten Strecken erlauben zu wollen. Zudem wolle er seinen Kabinettskollegen vorschlagen, einen geplanten Versuch des Bundes zu unterstützen.

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